Dass es heute Galaxien, Sterne und Planeten gibt, verdanken wir also einem Bruch der vollkommenen Symmetrie. Auf diesen notwendigen Schönheitsfehler stießen Physiker erstmals Mitte des 20. Jahrhunderts: Sie waren schockiert, als sich in Theorie und Experiment zeigte, dass die schwache Wechselwirkung den gespiegelten Raum anscheinend anders behandelt. In den folgenden Jahren brachten die ersten Teilchenbeschleuniger neben bisher unbekannten oder nur hypothetischen Partikeln auch immer wieder neue Rätsel hervor.
Doppelter Bruch mit der Symmetrie
Zum Beispiel Anfang der 1960er Jahre, als so genannte Kaonen bei ihrem Zerfall in seltenen Fällen die Symmetrie gleich doppelt brachen: Die Partikel aus einem Quark sowie einem Antiquark verhielten sich nicht wie ihre Spiegelbilder aus Antimaterie. Zum Beispiel, wenn die unsteten Persönlichkeiten von Zeit zu Zeit ihre Identität wechseln – Quark wird zu Antiquark und Antiquark zu Quark. Aber auch wenn Kaonen und Antikaonen in andere Teilchen zerfallen, passiert das unter gewissen Umständen nicht auf identische Weise.
Erst im Jahr 1972 beschrieben Makoto Kobayashi vom japanischen Teilchenbeschleuniger KEK und Toshihide Maskawa von der Universität Kioto, was dabei vermutlich vor sich geht. Danach gehen die Quarks je nach Sorte zunächst in einen Mischzustand verschiedener Quarks über, bevor sie sich gänzlich umwandeln. Die beiden Physiker waren sogar in der Lage vorherzusagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Asymmetrie im Kaon-Zerfall auftritt. Um dies zu ermöglichen, mussten sie allerdings weitere Quarks einführen: namentlich Charm, Bottom und Top.
In anderen Disziplinen der Physik war das Phänomen nämlich schon länger bekannt. Und so forschte auch Nambu zunächst an der Theorie der Supraleitung, wo spontane Symmetriebrechungen ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Sie beschreiben den Augenblick, in dem ein eigentlich in irgendeiner Weise symmetrisches System in den Zustand niedrigster Energie übergeht, der keine Symmetrien mehr aufweist. Verständlich wird dies etwa an einer Kugel, die auf dem höchsten Punkt eines Hügels liegt. In diesem Moment ist sie in einem absolut symmetrischen Zustand – alle Richtungen sind gleich.
Was verleiht uns Masse?
Rollt sie allerdings hinab und befindet sich am Boden – und damit im energetischen Grundzustand –, hat sie sich für eine bestimmte Richtung entschieden, und die Symmetrie ist gebrochen. Dieses Prinzip lässt sich unter anderem auch auf physikalische Felder anwenden – beispielsweise auf die der fundamentalen Wechselwirkungen. Noch heute finden sich Nambus mathematische Modelle deshalb überall im Standardmodell wieder.
Dabei wird momentan besonders auf ein bislang nur hypothetisches Feld geschaut: das so genannte Higgs-Feld. Zu Beginn von Raum und Zeit soll es noch perfekt symmetrisch gewesen sein – infolgedessen waren alle Teilchen masselos. Doch wie die Position der Kugel auf dem Hügel war dieser Zustand nicht stabil, und die Symmetrie verschwand mit dem Auskühlen des Universums. Seither tragen fast alle Elementarteilchen eine Masse mit sich herum.
Wie andere Felder hat auch das Higgs-Feld eine Art Repräsentanten – das Higgs-Teilchen oder etwas pathetischer das "Teilchen Gottes". Mit den im Large Hadron Collider am CERN erreichbaren Energiekonzentrationen haben Physiker gute Chancen, es erstmals aufzuspüren. Finden sie es, hätten sie das Standardmodell entscheidend untermauert. Und womöglich finden sie mit Hilfe des Beschleunigers sogar neue Hinweise darauf, was die Antimaterie kurz nach dem Urknall verschwinden ließ. Die bisher bekannten Symmetriebrüche reichen für eine plausible Erklärung jedenfalls noch nicht aus.






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