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Mathematische Knobelei | 30.11.2007
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Wer wird Deutschlands Super-Weihnachtsmann?

 
Jedes Jahr die gleiche Bescherung: Die Nächte werden länger, die Hörsäle leerer und in der Zentrale für studentische Jobvermittlung tummeln sich die weißhaarigen Bartträger in endlosen Reihen. Wo doch jedes Kind längst weiß – es kann nur einen geben.
Die Auswahl ist so hart wie willkürlich. Vorbei sind die Zeiten, als Familien ihre eigenen Opis rechtzeitig zum Fest für ein paar Stunden auf eigene Faust aus dem Altenheim entführt, in ein Cola-rotes Kostüm gesteckt und ausgestattet mit einem prall gefüllten Jute-Sack zu den gierig wartenden Kindern in die festlich geschmückte gute Stube geschubst haben. Weihnachten hat längst seinen romantisch verklärten Amateurcharme verloren. Heutzutage erheben emsige Marketingabteilungen Monate im Voraus ausführliche Konsumterrordaten, evaluieren Saisonstatistiker die anzuberaumende Trubelfreudigkeit, optimieren Kreativbrainstormer den Besinnlichkeitsfaktor und wählen eigentlich schon ausrangierte Pöbelprominente in sinnfrei inszenierten Dauershows den Star für das Top-Event des Jahres – Deutschlands Super-Weihnachtsmann!

"Zicken können wir hier nicht brauchen!", kürzt zackig und politisch völlig unkorrekt alle weiblichen Kandidaten weg. "Wir suchen Weihnachtsmänner, keine Zombies!", schickt kurzerhand Bewerber mit weißem Naturbart nach Hause. "Was soll denn ein türkischer Nikolaus bringen – etwa Döner?", stößt die verbliebenen ausländischen Bewerber gezielt vor den Kopf. Das provoziert. Das bringt Ärger. Das schafft Einschaltquote. DSDSW ist wieder an der Spitze.

Im Rennen verblieben sind 2000 Bewerber. Allesamt männlich, allesamt jung, allesamt deutsch und allesamt Mathematikstudenten auf der Suche nach finanzieller Erfüllung. Allesamt sind als angehende Mathematiker auch so weit von der gemotzten Realität eines aufgewärmten Ex-Sängers entfernt, dass sie seine bejubelten Verbalentgleisungen in widerspruchsfreier Naivität als irrational und unzureichend definiert erkennen und darum schlichtweg nicht verstehen. Der Barde mag noch so tief unter die Gürtellinie greifen – er vermag keinen der 2000 nach Hause zu schicken.

Es stöhnt der Programmchef, es jammert die Produzentin, es flieht das Publikum. Keine zerstörten Egos bedeutet keine Zuschauer bedeutet kein Weihnachten. Deutschland sucht den Weihnachtsmann, nicht die Weihnachtsmannherde. Werbepartner springen ab, Sponsoren wenden sich vermehrt Ostern zu, DSDSW konvergiert auf das Aus zu.

Es erscheint als rettender Operator im infinitesimal letzten Sekündchen eine Kabelträgerin. Auch sie Mathematikerin. Auch sie hatte Weihnachtsfrau werden wollen. Aber sie ist noch im ersten Semester und damit zugänglich für Prominentengemeinheiten und regelkonform ganz zu Anfang ausgeschieden. Die Kabel ersetzen nun die Weihnachtsrute und bringen ebenso ein wenig Bares in die studentische Tasche.

Der laute Prominente liegt mit der Stirn auf dem Tisch. Vor ihm 2000 lächelnd wartende Weihnachtsmathematiker. An den Bildschirmen ein schwindender Rest Festgezappter. Da tritt beherzt die Studentin ans Mikrofon.
"Ordnet jedem von euch genau eine der ganzen Zahlen von 1 bis 2000 zu!", kommandiert sie mit zaghafter Stimme. Die 2000 schreiben sich gegenseitig Zahlen auf die Denkerstirnen. Der Sänger stöhnt. "Nun ermittelt die zweitkleinste anwesende Zahl. Es gehen alle Kandidaten, deren eigene Zahl nicht durch diese teilbar ist." Es rascheln Füße, es klappen Türen – das Häuflein ist auf einen Streich viel kleiner geworden. Die Prominenz klappt den Mund auf. Familie Müller klickt sich per Fernbedienung mit allen fünf Apparaten des Haushalts in die Show.
"Vollzieht die Prozedur mit der nun zweitkleinsten Zahl noch einmal." Füße, Türen, eine verminderte Menge. Des Pöblers Kehle trocknet aus. Sein Mund steht weiterhin offen. Die Rundfunkzentrale Bielefeld meldet, dass alle registrierten Fernseher auf DSDSW gerichtet seien. "Wiederholt den Algorithmus, bis nur noch ein Kandidat übrig ist." Tumultartige Abgänge auf der Bühne. Ein jappsender Moderator. In Hamburg, Köln und München werden die Lagerbestände an TV-Empfängern knapp.
"Ich hab keine Zeit, um bis zum Ende zu warten", flüstert die Studentin dem entthronten Hoffnungskiller zu. Sie drückt ihm einen Zettel mit einer Zahl darauf in die Hand. "Der Kandidat mit dieser Zahl wird am Ende alleine auf der Bühne stehen. Ich gehe dann … Muss noch Weihnachtsgeschenke einkaufen!"
Sie entschwindet, während Amerika und Australien sich per Satellit zuschalten. Zurück bleiben rotierende Studenten und ein Stück Papier. Welche Zahl ist darauf geschrieben?
 
Das mathematische Problem stammt von Univ.-Prof. Dr. Gerd Baron und Dr. Richard F. Mischak. Weitere Aufgaben finden Sie auf den Seiten des Wettbewerbs Jagd auf Zahlen und Figuren. Die erzählerische "Verpackung" gestaltete Dr. Olaf Fritsche.
 
Wir haben es alle geahnt: das Ergebnis steht wie immer schon vorher fest. Kennen Sie es auch? Schreiben Sie uns die Lösung! Entweder per E-Mail an knobelei@wissenschaft-online.de oder postalisch an:

Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH Stichwort: Mathematische Knobelei Postfach 10 48 40 D-69038 Heidelberg

Einsendeschluss ist der 13. Dezember 2007.
 
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