Mathematische Knobelei |
01.06.2007
Verflixt und zugeknobelt
Der Sicherheitstechnik gehört die Zukunft. Keine Wundertüte mehr ohne chiffrierten Zugangscode. Kein Erdbeereis ohne biometrische Besitzprägung. Kein Bleistift ohne vorherigen Datenabgleich.
Kein Zutritt ohne korrekt eingestellten holografischen Sicherheitsschlüssel. So musste es ja kommen. Da wollte ich nur schnell die sorgfältig datenbereinigten Gebrauchtwertstoffe in den vorgesehenen personifizierten Container zum Produktzykluswiedereintritt tragen... Na gut. Mir geht dieses Technogebabbel auch auf den Senkel. So ist das wohl bei unserer Generation, die noch das umständliche Essen mit Messer und Gabel gelernt hat. Also, ich wollte gerade den Müll rausbringen, da ist es passiert: Rumms! Die Tür knallt zu, und ich stehe draußen. Kennen Sie vermutlich, oder?
Kein Problem, denke ich. Hab ja alles dabei. Ich also hin zur Tür, linke Hand auf den Fingerabdruckscanner, rechtes Auge an den Irisanalysator, dabei dreimal bellen wie ein Hund für die Spracherkennung (das mit dem Bellen habe ich mir selbst ausgedacht - auf so etwas kommt doch kein Einbrecher, der noch alle Tassen im Schrank hat), und schon erscheint auf der Anzeige die Aufforderung, den Sicherheitsschlüssel einzuführen.
Sie wissen schon. Diese Würfel aus kleinen Würfeln. Also, ich habe nur die ganz einfache Version - bei mir gibt es ja eh nichts zu klauen oder auszuspionieren. Davon kann sich jeder selbst im Vorhinein überzeugen, denn meine Wohnung ist hervorragend mit Webcams ausgestattet. Das finde ich mal wirklich praktisch. So kann ich im Urlaub jederzeit per Handypersonalausweis sehen, wann genau meine Topfpflanzen an Wassermangel eingehen. Klar, Hinz und Kunz können das ebenfalls rauskriegen, wenn sie wollen. Meine Webcams sind schließlich nicht gesichert. Nicht einmal über Kennwort oder so. Weil ich mir die Dinger nie merken kann.
Und damit kommen wir auch schon zu meinem Problem. Der Sicherheitsschlüssel ist nämlich ein Würfel, der aus 2 mal 2 mal 2 verschiedenfarbigen kleineren Würfeln besteht. Bei 8 Würfeln ergibt das eine fürchterliche Menge Möglichkeiten, den Würfel zusammenzubauen. Mein Sicherheitsschlüssel erlaubt aber nur drei Versuche. Stelle ich dreimal die falsche Kombination ein, zieht die Tür ihn ein und flutet die Wohnung mit Epoxydharz, das innerhalb von zwei Minuten aushärtet. Dolle Sache - so wird garantiert nichts gestohlen. Aber für mich nun ein wenig unangenehm. Weil ich natürlich die Kombination vergessen habe. Was meinen Sie, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich auf gut Glück bei drei Versuchen einen Treffer lande?
Das mathematische Problem stammt von Univ.-Prof. Dr. Gerd Baron und Dr. Richard F. Mischak. Weitere Aufgaben finden Sie auf den Seiten des Wettbewerbs
Jagd auf Zahlen und Figuren. Die erzählerische "Verpackung" gestaltete
Dr. Olaf Fritsche.
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Einsendeschluss ist der 14. Juni 2007.