Mathematische Knobelei |
03.02.2006
Betrügerische Regelmäßigkeit
Es gibt Geschäftszweige, für die ist die Computerisierung ein Segen. Das Betrugswesen beispielsweise wäre in seiner heutigen Form gar nicht denkbar ohne Internet. Öffentliche Versteigerungen nicht existenter Produkte, großzügige Vorauszahlungen in Erwartung von Beteiligungen an internationaler Geldwäsche, bereitwillige Verbreitung von Kontendaten beim multimedialen Brötchenkauf - dank Internet boomt die Branche. Wie mühsam ist dagegen der traditionelle Betrug mit gestohlenen Kreditkarten.
Nee, so'n modernen Kram mag ich nicht. Ist auch viel zu unsicher. Wer garantiert mir denn, dass der Server meine Verbindungsdaten nicht doch irgendwie abspeichert? Vielleicht taugt mein Programm zum anonymen Surfen ja nicht. War womöglich gar nicht das Risiko wert, es im Kaufhaus unter den Mantel wandern zu lassen. Und dann stehen eines Morgens die Herren in Uniform vor der Tür und freuen sich über die schönen Beweise auf meiner Festplatte. Nein, danke! Internet-Kriminalität ist nichts für mich!
Da lobe ich mir doch die gute alte Fleißarbeit. Das ist noch ein ehrliches Geschäft. So wie mit dieser Kreditkarte hier. Stammt aus einer Handtasche, die sich im Gewühle bei den Sonderangeboten sträflich leicht öffnen ließ. Von der Gier&Schlund-Kreditanstalt. Also, den mag ich, den Laden. Die haben da so einen verspielten Mathematiker für die Geheimcodes. Bei denen sind die Nummern 14-stellig. Hört sich zunächst mächtig schwierig an, nur hat der Trottel so kleine Regeln eingebaut. Besonders beliebt ist die Variante, dass jeweils drei aufeinander folgende Ziffern in der Summe genau 20 ergeben. Na, das macht unsereins das Geschäft doch gleich erheblich einfacher.
Wenn dann noch Glück hinzukommt... Die Dame, von der ich mir die Karte besorgt habe, hat sie nämlich bislang nicht sperren lassen. Das weiß ich daher, da ihr Mann mit seiner Karte weiterhin fleißig Geld beim Automaten um die Ecke abhebt. Soweit ich durch mein Fernglas sehen konnte, handelt es sich stets um leckere Sümmchen. Wenn ich mich genügsam am Abheben beteilige, merken die womöglich gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe, die Wirtschaft anzukurbeln.
Aber bevor ich damit starten kann, brauche ich noch die Geheimnummer. Und deshalb liege ich hier auf der Lauer, den Feldstecher im Anschlag und versuche, dem Schnösel beim Tippen auf die Finger zu schauen. Zwei Ziffern habe ich schon: An der dritten Stelle steht eine 7, ebenso an der vorvorletzten Stelle. Und nun... Da ist er wieder... Mist, er steht genau davor... Ja, wunderbar, er hat einen Schritt zur Seite gemacht... Er tippt eine 4... Offenbar die letzte Ziffer... Da kommt das Geld.
Mal überlegen... Ja, das reicht! Mit diesen Angaben kann ich ausrechnen, welche Geheimzahl zu der Karte gehört. Können Sie das auch?
Das mathematische Problem stammt von Univ.-Prof. Dr. Gerd Baron und Dr. Richard F. Mischak. Weitere Aufgaben finden Sie auf den Seiten des Wettbewerbs
Jagd auf Zahlen und Figuren. Die erzählerische "Verpackung" gestaltete
Dr. Olaf Fritsche.
Hoffen wir, dass das Konto nicht schon von irgendwelchen Internetbetrügern leergeräumt wurde - die Geheimzahl haben wir ja nun. Oder nicht? Schreiben Sie uns! Entweder per E-Mail an knobelei@wissenschaft-online.de oder postalisch an:
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Einsendeschluss ist der 23. Februar 2006.