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Mathematische Knobelei | 07.10.2005
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Ein großer Sprung für die Menschheit

 
Zuerst die gute Nachricht: Die Erde wird (vorerst) nicht gesprengt, um einer intergalaktischen Umgehungsstraße Platz zu machen. Nun die weniger gute Neuigkeit: Der Planet ist nur dann sicher, wenn es Commander Tripel-X gelingt, den leicht maroden Hypertransferwurmlochschnellweg (HTWSW) korrekt neu auszurichten.
Die Sache gefiel Commander Tripel-X gar nicht. Nervös zerknüllte er den Datenträger auf Zellulosebasis zu einem gebrochendimensionalen Körper mit annähernd kugelförmiger Ausdehnungsbegrenzung. Dieser Befehl warf alles über den Haufen, wofür er sein Leben lang gekämpft, wofür die transgalaktische Beschleunigungsgesellschaft oiH (ohne irgendwelche Haftung) stets gestanden hatte. Was war denn auf einmal falsch daran, fragte sich Tripel-X, Planeten mit ungünstigen Raumkoordinaten durch effiziente Nutzung der Energie-Materie-Äquivalenz vom existenziellen Zustand des Störens in den dynamischen Zustand des willkommenen Energielieferanten für Raumzeitverzerrungsreisen zu transformieren? Wer im Weg steht, muss eben Platz machen. So ist das Gesetz des Universums: Sprengen oder gesprengt werden. Für Sentimentalitäten haben die Naturkonstanten keinen Platz gelassen.

Der Commander setzte sich den präokularen Photonenabsorber auf und warf einen Blick durch den visuellen Transmissionsrahmen. Draußen zerstrahlte gerade Rigel-5 zu einem erquicklichem Maß an Energie. Sollte dies alles der Vergangenheit angehören? Tripel-X schüttelte den Kopf. Wo blieb da der Sinn für die Ästhetik des leeren Raumes und einer freien Flugbahn? Hatten diese ständig nörgelnden Protestler auch nur einen Gedanken dafür übrig? Nein, kein einziger! Stattdessen immer nur Beschwerden, wenn einer von ihnen nach einer Reise ans andere Ende der Galaxis nach Hause kam und feststellte, dass sein Heimatplanet verschwunden war. Als wenn es auf einen Planeten mehr oder weniger ankäme. Das Universum war voll von diesen steinigen Klumpen. Überall eierte das Zeug herum. Aber freie Wege für komfortable Instantanreisen - die waren Mangelware. Die mussten Männer wie er, Commander Tripel-X, Männer mit Gefühl für Zeitlosigkeit, erst durch harte Arbeit erschaffen. Es werde Weg - und es ward Weg!

Vorbei! Sol-3 wäre der nächste Planet auf ihrer Liste gewesen. Doch für den galt bereits die neue Order. Statt den armseligen Brocken mitsamt seiner infektiösen Kohlenstoff-Kontaminationen wie gewohnt in Energie zu transformieren, sollen die Abstände zwischen den Relaispunkten des Hypertransferwurmlochschnellwegs (HTWSW) erweitert werden. Commander Tripel-X kaute auf dem stumpfen Ende seines in Lignin gebetteten Graphitzylinders. Genau 301 Relaispunkte in schnurgerader Folge hatte die Route, jeder davon maß inklusive Be- und Entschleunigungszone ein Lichtjahr. Die Abstände zwischen ihnen betrugen jeweils exakt ein Parsec. Diese Abstände waren zu erweitern, sodass die Gesamtstrecke des HTWSW um 510 Parsec vergrößert wurde, ohne weitere Relaispunkte einzufügen. Tripel-X schlug hart mit der Faust auf die Horizontalablage. Verdammt! Er war ein Mann der Tat, kein Neuronenverrenker. Woher sollte er wissen, wie groß der neue Abstand zwischen zwei Relaispunkten sein musste, um diese Bedingungen zu erfüllen? Er würde sich nicht lange mit verzwickten Rechnungen aufhalten. Wenn ihm nicht bald jemand die Antwort zuraunt, würde Sol-3 doch auf herkömmliche Weise aufgelöst. Sollen die Bewohner sich eben beschweren, wenn sie dafür noch die Zeit finden.

Alternativvorschlag: Falls Sie zufällig den gefragten Abstand wissen, wäre die Erde vielleicht noch zu retten. Aber es müsste schnell gehen, denn wie gesagt: Commander Tripel-X ist ein Mann der Tat.
 
Das mathematische Problem stammt von Univ.-Prof. Dr. Gerd Baron und Dr. Richard F. Mischak. Weitere Aufgaben finden Sie auf den Seiten des Wettbewerbs Jagd auf Zahlen und Figuren. Die erzählerische "Verpackung" gestaltete Dr. Olaf Fritsche.
 
Nun, wann konnten Sie schon einmal mit einer einfachen Antwort ganz Sol-3 retten? Jetzt wäre es soweit: Schreiben Sie uns! Entweder per E-Mail an knobelei@wissenschaft-online.de oder postalisch an:

Wissenschaft Online GmbH
Stichwort: Mathematische Knobelei
Postfach 10 59 80
D-69049 Heidelberg

Einsendeschluss ist der 27. Oktober 2005.
 
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