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Mathematische Knobelei | 02.11.2003
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Spion im Auftrag der Logik

 
Zugegeben: Der Kalte Krieg ist vorüber. Doch wenn Sie der Ansicht sind, damit seien auch die glorreichen Zeiten der Spione und Agenten vorbei, dann machen Sie sich auf eine Überraschung gefasst. Der berühmt-berüchtigte KGB (Knobelei-Geheim-Bund) sucht nach wie vor nach Meistern der diskreten Ermittlungen und Enttarnungen. Falls Sie sich also gerade nach einem Job für Frauen und Männer mit starken Nerven umsehen... Aber sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.
Tick, tick, tick... Unaufhaltsam rückt der Sekundenzeiger vor. Zerschneidet die Stille in gleichförmige temporale Einheiten. Noch fünf, vier, drei, zwei, eins.

"Das war's! Stifte hinlegen!" Mit strengem Blick kontrolliert Majorin Ludmilla Testatowa, ob auch alle Probanden ihrer Anweisung unverzüglich Folge leisten.

"Sie da!" Testatowas Lineal zischt durch die Luft, zerschneidet ein kleines Logikwölkchen und verharrt ruckartig einen Mikrometer vor der Nasenspitze einer nicht nur im Gesicht wohlgeformten Blondine. "Sie waren zu langsam. Wollten sich wohl durch Trödelei einen Vorteil gegenüber Ihren Mitbewerbern verschaffen, was? Raus!"

"Aber ich...", versucht die Blondine, sich mit schwacher Stimme zu verteidigen.

"Kein aber! Hinaus mit Ihnen!" Testatowa bleibt hart. Wie immer. Nur die Besten, die Allerbesten schaffen es durch diese Prüfung. Dafür wird sie schon sorgen. Und diese Person gehört nicht dazu. Mit gesenktem Kopf greift die Blondine ihre Handtasche, erhebt sich und schleicht zur Tür. "Und Sie verlassen uns ebenfalls." Mit einem sadistischen Lächeln der Macht dreht Testatowa sich um. Ihr Blick bohrt sich tief in das erstaunte Gesicht eines jugendlichen Erfolgsmenschen im Nadelstreifenanzug.

"Wer? Ich? Wieso das denn?"

"Weil Sie gegrinst haben." Testatowa beugt sich langsam zu ihm herunter. "Sich am Versagen anderer ergötzt haben. Ihre niedrigen Gefühlsregungen nicht unter Kontrolle haben. Kurz gesagt: Weil Sie nicht über die erforderliche Selbstdisziplin für einen Knobel-Agenten verfügen." Ihre stahlharte Miene schwebt nun wenige Millimeter vor seinem erblassten Antlitz. Ein Schweißtropfen rinnt ihm über die Schläfe. Seine Hände verkrampfen sich, zerbrechen den Bleistift.

"Den Schaden werden Sie beim Weg nach draußen an der Kasse ersetzen." Testatowa richtet sich wieder auf.
"Die beiden übrigen Kandidaten begeben sich nun instantan in Zimmer 007. Dort erwartet Sie bereits Mr. Triple-X."


"Ach, die lieben Kandidaten! Kommen Sie doch herein, nur herein. Sie können sich nicht vorstellen, wie froh ich bin, dass es dieses Mal jemand durch die Prüfungsmühle meiner verehrten Kollegin Testatowa geschafft hat. Darf ich Sie mit einem Martini dazu beglückwünschen?"

Leger bekleidet mit einem seidenen Morgenmantel, einem dazu passenden Schal und dezenten Hauspantoffeln reicht Mr. Triple-X zuerst der eintretenden Dame und danach dem Herrn ein Glas.

"Wirklich erstaunlich, dass dieses Jahr gleich zwei Bewerber so weit gekommen sind. Sogar außerordentlich erstaunlich. Doch leider - wir können nur einen von Ihnen in unseren aktiven Dienst aufnehmen. Bedauerlich, aber nicht zu ändern."

Galant nimmt er seinen Gästen die leeren Martinigläser wieder ab, stellt sie auf das Tablett eines wie aus dem Nichts erschienenen Butlers und weist mit der offenen Hand auf zwei Panzerschränke in der Raummitte. "Darum habe ich mir erlaubt, meinerseits ebenfalls eine kleine Probe Ihrer Fähigkeiten vorzubereiten. Sie sind doch sicherlich einverstanden?" Ohne eine Antwort abzuwarten, tritt Mr. Triple-X an die Geldschränke.

"Nun, wir nehmen einmal an, Sie hätten sich auf subtile Art und Weise Zutritt zu den Räumen der CIA (Computer im Alltag) verschafft und wüssten zu gerne, wie viele Fächer der Tresor des Direktors wohl hat. Stellen Sie sich vor: Rein zufällig steht genau dieses Modell tatsächlich in seinem Büro." Als habe er selbst nicht mit dieser Übereinstimmung gerechnet, strahlt Triple-X die Kandidaten freudig an.

"Wie Sie sehen können, gibt es drei drehbare Zahlenräder. Daraus schließen wir, dass der Code zum Öffnen der Tür aus dreistelligen Zahlen besteht. Und damit es nicht zu einfach ist, sind es mehrere solcher Zahlen. Oh, deshalb brauchen Sie nicht zu verzagen. Denn jeder Mitarbeiter des KGB weiß, dass der CIA-Direktor allergisch gegen einstellige Primzahlen ist. Folglich wird keine der Ziffern eine Primzahl sein. Außerdem besteht jede Codezahl aus jeweils drei unterschiedlichen Ziffern. Und obendrein hat dieser Narr darauf geachtet, dass jede der dreistelligen Codezahlen durch alle ihre Ziffern teilbar ist. Sagen Sie selbst: Ist das nicht fürchterlich unvorsichtig? Ach ja, diese Stümper von der CIA werden es wohl niemals lernen."

Scheinbar gedankenverloren tippt er sich mit dem Zeigefinger ans Kinn. Dann fügt er in ernstem Tonfall an: "Ich erwarte nun von Ihnen, dass Sie den Code für diesen Tresor knacken! Die Reihenfolge der dreistelligen Zahlen spielt keine Rolle. Jede kommt nur ein einziges Mal vor. Wer mir zuerst das arithmetische Mittel aus ihnen nennen kann, hat den Job. Der andere... Nun, Sie wissen ja, wo der Ausgang ist."
 
Das mathematische Problem stammt von Univ.-Prof. Dr. Gerd Baron und Dr. Richard F. Mischak. Weitere Aufgaben finden Sie auf den Seiten des Wettbewerbs Jagd auf Zahlen und Figuren. Die erzählerische "Verpackung" gestaltete Dr. Olaf Fritsche.
 
Wie ist es mit Ihren Qualitäten als Knobelei-Agent bestellt? Können Sie die Aufgabe von Triple-X meistern? Diesen Monat haben Sie die Chance, eine von fünf CD-ROMs mit dem neuen Nachrichten-Archiv von wissenschaft-online zu gewinnen.

-> Science-Shop: Nachrichten-Archiv CD-ROM 1997-2003

Schicken Sie einfach Ihre Lösung an knobelei@wissenschaft-online.de, oder an:

Wissenschaft Online GmbH
Redaktion
Stichwort: Mathematische Knobelei
Postfach 10 59 80
D-69049 Heidelberg

Einsendeschluss ist der 30. November 2003.

Wir wünschen Ihnen wie immer viel Erfolg und Glück!

Die Redaktion
 
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