Einige dieser "Skeptiker" versuchen es immerhin mit guten Argumenten, dass beispielsweise die Sonnenaktivität einen viel größeren Einfluss auf das Klima hätte als das Kohlendioxid aus Menschenhand. Andere ziehen sich stattdessen auf reine Verschwörungstheorien zurück, um die Forschung zu diskreditieren. John Rennie, der frühere Chefredakteur von "Scientific American", hat sich nun die Mühe gemacht, auf einige der beliebtesten Behauptungen zu antworten.
1. Behauptung: Anthropogenes CO2 kann das Klima nicht verändern, weil es nur ein Spurengas in der Atmosphäre ist. Der Mensch produziert nur einen Bruchteil der Mengen, die Vulkane und andere natürliche Quellen freisetzen. Wasserdampf ist zudem ein viel wichtigeres Treibhausgas, weshalb Veränderungen beim CO2 irrelevant sind.
Kohlendioxid macht tatsächlich nur 0,04 Prozent der Atmosphäre aus, doch diese Menge sagt nichts über seine Bedeutung aus. Selbst bei niedrigen Konzentrationen absorbiert das Gas Infrarotstrahlung und trägt damit zum – natürlichen – Treibhauseffekt bei, was der Physiker John Tyndall schon 1859 nachgewiesen hat.
Obwohl sich der Zeitpunkt, zu dem die Erde der Sonne am nächsten ist, vom Sommer auf den Winter verschoben hat, wärmt sich die Arktis seit Anfang des Jahrhunderts auf. Dagegen sanken die Temperaturen in den 1900 Jahren zuvor, seitdem dieser Wandel eingesetzt hat. Zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende auf der Nordhalbkugel befindet sich die Erde nun dagegen rund eine Million Kilometer weiter entfernt von der Sonne als im Jahre null. Die steigenden Temperaturen führen die Forscher deshalb auf den verstärkten Treibhauseffekt zurück.
Das wichtigste Treibhausgas ist und bleibt allerdings Wasserdampf – und dessen Rolle wurde und wird in den Klimamodellen berücksichtigt. Wasserdampf nimmt in einem weiten Wellenlängenbereich die von der Erde abgestrahlte Infrarotstrahlung auf und verzögert so den Abfluss der Wärme in den Weltraum. Bei manchen Wellenlängen jedoch ist seine Absorption schwach: Die Klimatologie spricht von durchlässigen Fenstern. An diesen Stellen ergänzen weitere Treibhausgase wie Kohlendioxid, Methan oder die FCKW den Wasserdampf und machen das Fenster zusätzlich dicht. Sie heizen dem Planeten ebenfalls ein und verstärken dadurch wiederum die Verdunstung: Noch mehr Wasserdampf gelangt in die Atmosphäre. Je nach Menge, Art und Ort der Wolkenbildung folgt hieraus zum Teil eine weitere Erwärmung, zum Teil aber auch eine Abkühlung.
Im Gegensatz zu Wasserdampf – der rasch in die Atmosphäre gelangt, aber ebenso rasch auch daraus wieder verschwindet – verbleibt Kohlendioxid deutlich länger in der Luft. CO2 gilt den Klimaforschern deshalb als die hauptsächliche Triebkraft des Klimawandels, während der Wasserdampf eher unter die Rückkopplungen fällt.
2. Behauptung: Die vermeintliche Hockeyschlägerkurve der Temperaturen der letzten 1600 Jahre wurde widerlegt. Sie erkennt nicht einmal, dass es das Mittelalterliche Klimaoptimum vor rund 1000 Jahren gab. Die globale Erwärmung ist daher ein Mythos.
Es ist schwerlich zu erkennen, was größer ausfällt: die gegnerische Übertreibung der Mängel in der Rekonstruktion der historischen Temperaturen von Michael Mann und seinen Kollegen aus dem Jahr 1998 oder wie unbedeutend in diesem Fall die gegnerischen Argumente für die Beschreibung des Klimawandels sind. Denn es existiert nicht einfach nur eine einzige derartige Rekonstruktion der vergangenen Temperaturen, die nur auf einem Satz an Proxy-Daten basiert. Ähnliche Kurven, die einen stark ansteigenden Trend in den letzten Jahrzehnten zeigen, erbrachten Daten, die auf Eisbohrkernen, Baumringen und anderen Proxys basierten – unabhängig voneinander.
Seit 1981 haben sich große Teile der Arktis erwärmt – bisweilen weit stärker als im globalen Durchschnitt.
Schwer verständlich ist zudem, warum sich die Skeptiker derart auf den "Hockeyschläger" versteifen: Die ersten Studien, die eine Erderwärmung durch den Menschen prognostizierten, stammten aus dem Bereich der Klimamechanik – und nicht aus der Klimageschichte: Sie basierten also auf Physik.
3. Behauptung: Die globale Erwärmung pausiert seit einem Jahrzehnt, und die Erde hat sich seitdem abgekühlt.
1998 war das wärmste Jahr in den offiziellen Aufzeichnungen, die letzten Jahre fielen dagegen kühler aus. Deshalb ist der Erwärmungstrend des letzten Jahrhunderts vorüber, nicht?
Jeder, der ein bisschen Ahnung von Statistik hat, sollte die Schwächen dieser Argumentation erkennen. Betrachtet man den ausgedehnten Zeitraum, in dem die Aufheizung stattfindet, die erwarteten (und beobachteten) Schwankungen der Wachstumskurve und die vorhandenen Unsicherheiten bezüglich Temperaturmessungen und -vorhersagen, so bedeutet gerade mal ein Jahrzehnt Pause eine zu geringe Abweichung, als dass man damit schon eine Trendumkehr beweisen könnte. Mojib Latif und seine Kollegen vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel beispielsweise haben 2008 eine Studie vorgelegt, die eine derartige Pause erklärt.
4. Behauptung: Die Sonne oder kosmische Strahlen verursachen die Erderwärmung – schließlich heizt sich auch der Mars auf.
Astronomische Größen müssen berücksichtigt werden, wenn man das Klima verstehen will – etwa die Stärke der Sonnenstrahlung oder Erdbahnparameter: Sie waren unter anderem wichtige Triebkräfte der Eiszeiten und anderer Klimaveränderungen, bevor der Mensch auf den Plan trat. Klimatologen berücksichtigen diese Einflüsse deshalb in ihren Modellen. Momentan sprechen allerdings keine Messungen dafür, dass so viel mehr Sonnenenergie auf der Erde eintrifft, dass sie den beobachteten Temperaturanstieg auslösen könnte. Mike Lockwood von der University of Southampton und Claus Fröhlich vom Physikalisch-Meteorologischen Observatorium in Davos etwa konnten zeigen, dass sich die Sonnenaktivität und die Temperaturen seit 1975 entkoppelt haben: Trotz geringerer Aktivität erwärmt sich die Erde. Darüber hinaus hat der Strahlungsantrieb der Sonne von 1750 bis 2005 um 0,12 Watt pro Quadratmeter zugenommen, die Verstärkung durch menschliche Einflüsse hingegen um 1,6 Watt pro Quadratmeter.
Folge einer langfristigen, periodischen Klimaschwankung, die von atlantischen Meeresströmungen ausgelöst wird: In den nächsten Jahren steigen die Temperaturen um 0,2 Grad weniger an (grüne Linie), als bisherige Modelle vorhersagen (schwarze Linie).
Die meisten Klimatologen sind von dieser Argumentation nicht überzeugt, da sie Schwächen in ihrer Beweisführung enthält. Insbesondere scheint es keine eindeutigen langzeitigen Trends bei den eingehenden kosmischen Strahlungen oder der von ihnen angeblich ausgelösten Wolkenbildung zu geben. Außerdem erklärt Svensmarks Modell nicht, warum sich die Erde beispielsweise nachts stärker erwärmt als tagsüber.
Und der Mars? Die Beobachtung, dass sich auch unser Nachbar aufheizt, beruht auf sehr wenigen Messungen. Es ist also fraglich, ob es sich um einen echten Trend handelt. Bislang kennen wir das Marsklima nur sehr oberflächlich, womöglich hat deshalb eine Reihe starker Staubstürme zur Erwärmung beigetragen: Sie verdunkelten die Marsoberfläche, so dass ein größerer Teil der Sonnenenergie in Wärme umgewandelt wurde, statt wieder ins All reflektiert zu werden.
5. Behauptung: Die Klimaforschung ist eine riesige Verschwörung, und die Klimatologen verschweigen die Wahrheit, indem sie ihre Daten nicht preisgeben. Ihr weit gehender Konsens ist wissenschaftlich irrelevant, da Forschung nicht auf Popularität beruht.
Sollte es tatsächlich so etwas wie eine Verschwörung geben, so umfasste sie Tausende von Publikationen und Wissenschaftlern rund um die Erde – bis zurück zu den Tagen von John Tyndall und Svante Arrhenius, die schon vor 150 Jahren belegten, dass Kohlendioxid ein Treibhausgas ist. Auch die jetzt gehackten und publizierten E-Mails der Climatic Research Unit der University of East Anglia liefern keinen einzigen Beleg für einen Betrug. Die wenigen Sätze, die dafür bislang herangezogen werden, wurden aus dem Zusammenhang gerissen und bereits von unabhängigen Wissenschaftlern erklärt.
Das Jahr 2006 war das fünftwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1890. Besonders starke Abweichungen der Temperaturen gab es in der Arktis.
2004 hat die Wissenschaftshistorikerin Naomi Oreskes 928 begutachtete Veröffentlichungen aus unterschiedlichsten Fachzeitschriften zum Klimawandel untersucht, von denen 75 Prozent die Theorie der anthropogenen Erderwärmung unterstützten. Das restliche Viertel bezog sich auf methodische Fragen oder bezog keine Position. Keine einzige Publikation aber widersprach der These vom menschengemachten Klimawandel.
6. Behauptung: Klimatologen haben ein gesteigertes Interesse daran, Alarm zu schlagen, weil es ihnen Geld und Prestige bringt.
Sollte es den Wissenschaftlern darum gehen, mehr Geld locker zu machen, weil sie die Furcht vor dem Klimawandel schüren, so scheitern sie – zumindest in den USA. Zwischen 1993 und 2004 wuchsen zwar die staatlichen Forschungsgelder für den Klimawandel von 3,3 auf 5,1 Milliarden Dollar (ein Zehntel der gesamten Ausgaben für Forschung außerhalb des Verteidigungsetats) – eine Steigerung um 55 Prozent. Die Anteil der Ausgaben für reine Klimaforschung fiel jedoch von 56 auf 39 Prozent, da Mittel vor allem in die Bereiche "Energieeinsparung" und andere Technologiefelder flossen. Es profitierten dabei vor allem Projekte im Industriebereich, weniger an den Forschungsinstituten.
7. Behauptung: Technologische Lösungen wie neue, saubere Energien oder Geoengineering sind kostengünstiger als der Ansatz, Energie zu sparen, um Kohlendioxidemissionen zu vermeiden.
Verschiedene Kritiker der gegenwärtigen Klimaschutzpolitik wie der dänische Politikwissenschaftler Bjørn Lomborg erwähnen immer wieder, dass Umweltschützer besessen davon seien, das Kohlendioxid ausschließlich durch gesetzliche Regelungen verringern zu wollen. An technischen Lösungen seien sie dagegen uninteressiert. Diese Interpretation ist im besten Falle bizarr: Technische Innovationen in der Energieeffizienz, -speicherung und -produktion sollen genau mit Obergrenzen für CO2 erreicht werden. Die Frage ist nur, ob es klug ist, auf CO2-Einsparungen zu verzichten, bis derartige Lösungen massentauglich sind?
Die meisten Wissenschaftler antworten darauf mit "Nein", denn je länger wir warten und je später wir damit beginnen, die CO2-Emissionen zu reduzieren, desto stärker fällt die Erwärmung aus. Das Kohlendioxid heizt außerdem nicht nur der Erde ein, es versauert auch die Ozeane, in denen es sich als Kohlensäure löst – und dabei Korallenriffe schwer schädigt.
Problemfrei sind auch die Methoden des Geoengineering nicht – etwa der Aufbau eines Schwefelschirms, der Sonnenstrahlung abblockt, oder die Eisendüngung des Meeres, das Algenwachstum und deren kohlenstoffbindende Fotosynthese anregen soll. Die ambitioniertesten Vorschläge beinhalten großenteils Technologien, die noch nicht getestet wurden. Es ist also völlig unklar, ob sie so gut funktionieren wie erhofft und ob sie nicht andere schwere Umweltprobleme bewirken.
Alle Methoden, die darauf verzichten, Kohlendioxid der Atmosphäre zu entziehen, müssen langfristig betrieben werden, um plötzliche drastische Erwärmungsschübe zu vermeiden. Ebenso könnten sie zu einem politischen Minenfeld werden, wenn die Staatengemeinschaft uneins ist. Es scheint, als ob das Vertrauen in zukünftige technologische Entwicklungen, um das Klimaproblem zu lösen, der Gipfel der Unvernunft ist – statt den Klimawandel direkt und heute mit den bereits vorhandenen Mitteln anzugehen. Doch offensichtlich sind die Skeptiker am meisten daran interessiert, diese vernünftigen Maßnahmen in Misskredit zu bringen.


Der Autor ist Wissenschaftsjournalist und war bis Juni 2009 Chefredakteur von "Scientific American".





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1. Das ist Religion, keine Wissenschaft
16.12.2009, Dr. Gilbert Brands, Krummhörn2. Vertrauenssache
16.12.2009, Fritz Kronberg, RondeshagenEs spricht allerdings nichts dagegen, sicherheitshalber den CO2-Ausstoß soweit wie möglich zurückzufahren. Es spricht aber auch nichts dagegen, die Möglichkeiten der Geoengineerings vorurteilsfrei zu untersuchen. Schließlich ist es immer besser, mehr als einen Pfeil im Köcher zu haben. Leider stößt so ein pragmatischer Ansatz zum Beispiel bei den Grünen wie auch großen Teilen der SPD (siehe das Verhalten des Ex-Umweltministers Gabriel beim Versuch, die Eisendüngung der Ozeane zu testen) auf völliges Unverständnis, ja sogar auf eine mit nichts Sinnvollem begründete krasse Ablehnung. Es ist zu hoffen, dass sich auch in diesen Politikkreisen irgendwann einmal vernünftiges Denken durchsetzt
3. Kontribution durch Vulkane
22.12.2009, Thomas Lindner, 69207 Sandhausenauch in Anbetracht der politischen Dimension der aktuellen Klimadiskussion werden Behauptungen durch Wiederholung nicht zutreffender.
Ich beziehe mich den Text "Wider den Klimanonsens":
"Laut des Geological Survey der USA produzieren wir durch Abgase oder Brandrodung jährlich etwa 30 Milliarden Tonnen CO2 – mehr als 130-mal so viel wie Vulkane gegenwärtig ausstoßen."
Bereits mit mäßigem Aufwand lassen sich auf seriösen Internetseiten mit wissenschaftlichem Anspruch (wie z.B. http://adsabs.harvard.edu, http://www.springerlink.com/content/3v1474623q351756/fulltext.pdf?page=1) verwertbare Daten recherchieren.
Der italienische Ätna steuert an einem müden Tag rund zwei Kilotonnen CO2 bei, an Tagen mit erhöhter Aktivität können es auch mal vier Megatonnen sein. Dazu kommen erhebliche Mengen an SO2 und weitere Gase - 365 Tage im Jahr. Es werden weit über 1000 Vulkane als aktiv eingeschätzt, die in nicht unerheblichem Ausmaß auch ohne besondere Ausbrüche permanent Gase emittieren. Aktuelle Ausbrüche lassen sich ebenfalls zeitnah verfolgen (http://www.volcano.si.edu/).
Ein Blick auf den VEI-Index (Volcanic Explosive Index) gibt Aufschluss über die Dimensionen einer Eruption:
- Pinatubo, VEI 5, 10 Milliarden Kubikmeter Auswurf
- Krakatau, VEI 6, 18 Milliarden m³
- Tambora, VEI 7, 160 Milliarden m³
- Toba (Supervulkan), VEI 8, 2800 Millarden m³
Bereits ein "kleinerer" Ausbruch wie der des Pinatubo senkte im Folgejahr die Durchschnittstemperaturen weltweit um 0,5 Grad Celsius. Die obige Einschätzung von 0,2 Milliarden Tonnen CO2 (30/130) Emissionen durch Vulkane entbehrt meines Erachtens jeder Grundlage.
Mit freundlichen Grüssen
Thomas Lindner
4. Schwache Gegenargumente
17.11.2010, Joachim Wahlich schließe mich den Worten Dr. Brands an. Die im Artikel angeführten "Gegenargumente" sind schwach. Sie wollen suggerieren, dass die Kritik am Klimawahn von ein paar Laien ausgeht. Wer sich ein wenig in der Physik auskennt und auch mal in Fachliteraturen blättert, wird sehen, dass die vorgebrachte Kritik durchaus ernstzunehmen ist.
Das lächerliche Gebilde von "Rückstrahlung" und "Treibhaus" ist nicht haltbar, wird aber nach wie vor von Latif, Schellnhuber und vor allem den Medien verbreitet. Das irdische Treibhaus besitzt keine Scheiben, welche die Konvektion verhindern. Die "Gegenstrahlung" ist ein Ammenmärchen.
Der 2. Hauptsatz der Thermodynamik oder das Stefan-Boltzmann-Gesetz werden vollkommen falsch angewandt oder ignoriert.