Frühe Wissenstransfers
Nach dem Zerfall des römischen Reiches übernahmen ihre Nachfolger die Aufgabe, das Wissen der Antike zu verwahren. Übersetzungen wurden angefertigt, Forschungsarbeiten verglichen und ergänzt. Jahrhunderte später fand dieses Wissen dann über das von den Arabern eroberte Spanien Einzug in die westliche Welt.
Dieser Wissenstransfer ist eines der zentralen Themen der Ausstellung "Ex Oriente Lux?" im Oldenburger Augusteum. Eineinhalb Jahre hat ein Team aus Ausstellungsmachern des Landesmuseums Natur und Mensch Oldenburg zusammen mit Wissenschaftlern Fakten und Hintergründe sowie berühmte Exponate aus der ganzen Welt zusammen getragen und so einen geschichtlichen Rundgang der besonderen Art geschaffen.
Von Rechentüchern und tragbaren Sonnenuhren
Beeindruckend sind zudem die so genannten Astrolabien, astronomische Messgeräte in Form einer Scheibe, mit denen man Winkelmessungen am Himmel vornehmen konnte und die seit dem 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung bekannt sind. Auch bei der Zeitmessung waren die Menschen in der Vergangenheit kreativ: Neben den allseits bekannten Sonnenuhren zeigt die Ausstellung auch eine römische Wasseruhr, bei der die Zeit am herausgeflossenen Wasser abgelesen werden konnte – eine durchaus praktische Erfindung für dunkle Räume, in denen Sonnenuhren nur bedingt von Nutzen waren. Trotzdem erfreuten sich auch diese lange Zeit großer Beliebtheit, etwa im 17. Jahrhundert als Taschenuhr zum Ausklappen.
Aderlass-Lanzetten als Zeugen mittelalterlicher Heilmethoden
Mitunter kostbare Exponate wie etwa Aderlass-Lanzetten aus dem 18. Jahrhundert oder eine Reiseapotheke werden ergänzt von Animationen, interaktiven Bildschirmgrafiken und Filmsequenzen, in denen Schauspieler fiktive Briefwechsel vortragen oder sich über die wissenschaftlichen Errungenschaften der jeweiligen Zeit unterhalten. Die begleitenden Texte jedoch sind sind oft kompliziert, auch die Zuordnung der Beschriftungen zu den Exponaten ist nicht immer ersichtlich. So müssen sich die Besucher ein ums andere Mal etwas mühsam die Bedeutung Exponate erschließen.
Von der Bibliothek in Alexandria zum elektrischen Kuss nach Paris
Nach dem Rundgang durch die Naturwissenschaften, einem Abstecher bei der Alchemie und den biologischen Systematisierungsarbeiten des Carl von Linné führt die Ausstellung in der zweiten Etage durch die Wissenschaftszentren der vergangenen Jahrhunderte: Die Bibliothek von Alexandria wird gefolgt vom Gelehrten-Mekka Bagdad, wo viele wichtige Schriften der Antike für die Nachwelt konserviert wurden, nachdem sie ins Arabische übersetzt wurden.
Auch die mittelalterlichen Städte Cordoba und Toledo werden thematisiert.

Mehr Informationen
Hintergünde zum Thema der Ausstellung und spannende Einblicke in die Geschichte der Wissenschaften gibt das Magazin epoc im großen Sonderteil "Ex Oriente Lux?" der aktuellen Ausgabe (6/09).
In der Renaissance, zeigt die Ausstellung, drang die Beschäftigung mit den Naturwissenschaften auch in die Welt des Adels und später auch des gehobenen Bürgertums vor: In Studierzimmern beschäftigte sich der damalige Mensch von Welt mit den Schriften der zeitgenössischen Wissenschaftler – ob in Florenz, in Pisa oder später ab 1700 in Paris.
In der französischen Hauptstadt kam damals eine merkwürdige Freizeitaktivität in Mode: Die Dame des Hauses berührte eine kurbelbetriebene Maschine, durch die sie elektrisch aufgeladen wurde. Führte ein Gast daraufhin galant zur Begrüßung seine Lippen an ihre Hand, erhielt er einen starken "elektrischen Kuss", der die gesamte Gesellschaft in Erstaunen versetzte. Das nennt man dann wohl gelungene Wissenschaftskommunikation.
Die Ausstellung "Ex Oriente Lux?" ist noch bis zum 24. Januar 2010 im Augusteum in Oldenburg zu sehen.


Freie Wissenschaftsjournalistin 




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