So in etwa funktioniert der hydraulische Energiespeicher: Über ein Rohrsystem und das so genannte Wasserschloss – es dient dem Druckausgleich bei starken Änderungen der Leistung oder beim Umschalten von Pump- in Turbinenbetrieb und umgekehrt – wird das Wasser unter den Hubkolben geleitet.
Puffer im Stromnetz
Das Verfahren hat jedoch einige Nachteile: Es kann nur wenige Gigawattstunden Leistung speichern; außerdem stehen nur wenige geeignete Flächen in Deutschland zur Verfügung. Und diese müssen dann zusätzlich überflutet werden – ein gravierender Eingriff ins Landschaftsbild. All dies soll Heindls Idee eines hydraulischen Lageenergiespeichers überwinden und den alternativen Energiequellen Sonne und Wind zum endgültigen Durchbruch verhelfen: Sie produzieren bislang oft Stromhöchstmengen, wenn der Absatz nicht gewährleistet ist, und umgekehrt.
"In Deutschland gibt es drei Hauptregionen, in denen unsere Technologie momentan in Frage käme, weil dort Quarz als Speichergestein zu Tage tritt: der Schwarzwald, rund um Dresden, wo große Tagebaue oft im Granit-Grundgestein enden, und der Harz", erläutert der Furtwangener Technologieprofessor, der unter anderem eng mit Geologen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zusammenarbeitet. Hier ließe sich ein entsprechend großer Granitzylinder aus dem Gestein sägen, der sich hydraulisch hebt und senkt: "Das läuft natürlich nicht wie bei Laubsägearbeiten, indem man einmal rundherum fräst", weist er allzu blühende Fantasien zurück.
Zuerst werde ein Tunnel einen Kilometer tief in den Untergrund gebohrt und um den späteren Zylinder geführt: Er dient dann später auch der Wasserzufuhr. Anschließend bohren die Ingenieure von der Oberfläche her alle 20 Meter ein Loch zu diesem Tunnel. Durch diese Löcher leiten sie die Sägeseile in den Untergrund und führen sie in der benachbarten Bohrung wieder nach oben. Danach können sie dann 20 Meter breite Scheiben aus dem Gestein schneiden. Was sich aufwändig anhört, verursache in der Realität jedoch kaum Probleme, meint Heindl: "Insgesamt müssen wir 'nur' drei Quadratkilometer Gestein entnehmen, was auch bedeutet, dass bei der relativ geringen Dicke der Scheiben das Gesamtvolumen relativ klein ausfällt. Und die Technik an sich ist seit Langem etabliert." Die Löcher werden später mit Dichtungen versehen, damit das Wasser nicht gleich wieder nach oben spritzt.
Bewährte Sägetechnik
Mit der gleichen Seilsägemethode trennen die Techniker anschließend auch den Boden des Zylinders ab; noch vorhandene Verbindungsstege im Gestein reißen ab, wenn sich der Felsblock durch das zulaufende Wasser hebt. "Ein Überdruck von 20 bis 50 Bar reicht schon aus, um den Zylinder zu heben. Unsere Pumpen erreichen bis zu 200 Bar. Gleichzeitig besitzen sie extrem hohe Wirkungsgrade, so dass wir am Ende 80 Prozent der zugeführten Energie auch wieder nutzen und in Strom umwandeln können", denkt der Forscher. Bis zu 500 Meter hoch soll sich so ein Block dann heben lassen.
Mit Hilfe von Sägeseilen wird der Granitzylinder aus dem umgebenden Deckgebirge gesägt und freigestellt – eine bewährte Technik.
Bei maximaler Auslastung kann ein derartiger hydraulischer Lageenergiespeicher dann etwa 13 Gigawattstunden an Leistung speichern, wenn der Zylinderdurchmesser rund 150 Meter beträgt und der mobile Berg voll ausgefahren wird – das entspricht der Kapazität des Schluchseekraftwerks. Erweitert man den Radius auf 500 Meter, wären sogar mehr als 1600 Gigawattstunden im Bereich des Möglichen: So viel wird in Deutschland täglich brutto an Strom produziert.
Zwei Speicher für ganz Deutschland
Schon zwei Speicherkraftwerke dieses Typus genügten nach den Berechnungen Heindls, um die Bundesrepublik unabhängig von fossilen Energieträgern zu machen und gleichzeitig problemfrei mit Sonnen- und Windenergie zu versorgen. Eines sollte im Harz stehen, um die Windkraft von der Küste zu speichern, das andere im Schwarzwald, in dessen Umfeld Solarstrom in größeren Mengen erzeugbar ist. Damit würde auch ein Teil der Fernleitungen überflüssig, die momentan noch fehlen, aber zukünftig den im Übermaß produzierten Strom durch Windkraft an der Küste zu den Ballungszentren im Süden leiten sollen.
Die Gesamtkosten für einen derart großen Speicher lägen den Kalkulationen nach bei rund 400 Millionen Euro beziehungsweise 24 Cent pro Kilowattstunde – deutlich weniger als die Investitionskosten bei herkömmlichen Technologien: Sie betragen 20 Euro pro Kilowattstunde. Verglichen mit den normalen Pumpspeicherkraftwerken leidet auch die Natur weniger, da nichts überflutet werden muss und die Vegetation auf dem Zylinder erhalten bleibt. Stammte das Wasser für die Hubarbeit zum Beispiel aus dem Bodensee, würde sich der Seespiegel bei maximaler Auslastung etwa einen Meter senken, was sich im Rahmen natürlicher Pegelschwankungen bewegt.
Das menschliche Auge müsste sich allerdings daran gewöhnen, dass sich immer wieder ein Berg hebt und senkt. Bei seinen Vorträgen schlägt Heindl allerdings meist Begeisterung statt Skepsis entgegen: "Wir haben schon Anfragen bekommen, ob man denn ein Grundstück oben auf dem Zylinder für ein Hotel erwerben könnte. Und selbst wenn wir nur 50 Meter hoch ausfahren würden, kämen wir auf ein Mehrfaches der Speicherkapazität des Schluchsees. Diese Höhen würden das Landschaftsbild wohl kaum stören."






drucken




Graue Substanz |
Natur des Glaubens |
Con Text |
MENSCHEN-BILDER |
Landschaft & Oekologie |
Mente et Malleo |
Polarstern unterwegs |
WIRKLICHKEIT |
Robotergesetze |
NeuroKognition |
bildungslücke |
braincast | 






1. Kaum überwindbare Schwierigkeiten
21.01.2011, Fritz Kronberg2. Granitblock als Energiespeicher
22.01.2011, Klaus MollMit freundlichen Grüßen
Dr. Klaus Moll
3. Eine Variante
23.01.2011, Dr. Johann SpringerDieses wird mit Wasser gefüllt, das also einen See bildet. Dieser See dient als Reservoir für das Wasser, mit dem der Granitkolben zur Energiespeicherung um bis zu 250 Meter angehoben wird. Der Wasserspiegel bleibt dann beim Pumpvorgang ebenso wie beim späteren Energiegewinnungsvorgang im Wesentlichen konstant, so dass der See gut für Freizeitzwecke genutzt werden kann. Pumpen, Turbinen und ein Wasserschloss könnten in dem Granitkolben untergebracht werden. Ein kleiner Nachteil dieser Anordnung ist, dass die potenzielle Energie des umgepumpten Wassers nicht genutzt werden kann. Dafür wird aber die Abdichtung des Kolbens durch das darüber liegende Wasser wesentlich erleichtert, und bei Undichtigkeit gibt es keine Gefährdung.
Ich halte die Realisierbarkeit dieser Variante für wesentlich günstiger, da sich niemand über einen auf- und abtauchenden Granitzylinder zu erregen braucht. Ein Nachteil ist die große Menge abzutransportierenden Materials.
4. Ökofantasien
24.01.2011, Michael Clemens, HannoverEine Kilometer lange umlaufende Dichtung, welche einem Wasserdruck von 100 bar standhält? Eine Druckleitung PN 100 zwischen Schwarzwald und Bodensee? Einen Zylinder aus Granit mit 500 Meter Radius und 500 Meter Höhe zentimetergenau aussägen? Und das Ganze für schlappe 400 Millionen Euro?
Es ist beschämend, dass Zeitschriften mit wissenschaftlichen Anspruch solchen Ökofantasien veröffentlichen.
5. Mit einem "natürlichen Kolben" wird's nicht einfach
03.03.2011, Johann H. AddicksÜberschlagsmäßig halte ich es für unmöglich, so etwas mit einem "natürlich gewachsenen" Granit hinzubekommen.
Dieser müsste komplett frei von Störungen sein, denn sonst droht der Kolben -im schlimmsten Fall- in zwei Teile zu zerreißen. Aber selbst wenn nur kleine Bruchstücke abplatzen: Es geht schließlich um eine Fläche von Abertausenden Quadratmetern.
Spätestens wenn der Kolben 500m ausgefahren einen Winter überstehen muss, dann wird es Frostsprengungsrisse geben. Es wird nicht viel Bruch benötigen, um den Kolben zu verkeilen.
Man könnte natürlich sagen "geben wir dem Zylinder einen Stahlbetonmantel.
Ein Statiker mag das sicher rechnen können, aber ich schätze, dass dieses die Kostenrechnung über den Haufen wirft.
Vermutlich wird es günstiger, wenn man den Zylinder komplett abträgt, also alles im Tagebau erstellt, einen ausgesteiften Stahlzylinder einsetzt, der dann mit dem Verbruch verfüllt (oder billigerem Material, weil man für den hochwertigen Granit einen Abnehmer gefunden hat).
Andere Aspekt: Wie verhält sich dieses System bei einem Erdstoß, sagen wir der moderaten Stärke 4? Werden die als "Balancierkammern" genutzten Wassertanks oberhalb der Dichtungen die Kräfte so übergeben können, ohne dass der Kolben an der Wand anschlägt und bei dieser Gelegenheit die Dichtungen zermahlt?
6. Warum so pessimistisch ..... hier zählen die Fakten
03.04.2011, Stephanos Thiodaherileweshalb so pessimistisch? Denken Sie doch mal an den Hover- Damm oder den 3-Schluchten-Damm in China. Alles Projekte, die im Vergleich mit einem mickrigen 500-Meter-Gesteinskolben wohl eher unmöglich erscheinen und doch von Menschenhand realisiert wurden. Wenn man es schafft den Gotthard-Basistunnels mit 57 Kilometer Länge durch die Alpen zu bohren, sollten zwei lächerliche 500-Meter-Kreistunnel keine große bergmännische Herausforderung sein.
Auch die Steinsägearbeiten sind Stand der Technik! Dichtungen und Wasserkraftwerkstechnik für 200 bar Druck sind heutzutage Standard und werden vielfach eingesetzt. Die Kolbenaußenwand wird mit Dichtungsplatten abgedichtet. Der Kolben selbst kann während des Ausfahrens abgedichtet und bearbeitet werden. Keine Öko-Fantasien.... nur einfache Ingenieursarbeit! Man setzt Dinge, die es schon gibt in einer Art zusammen, dass sie einen Zweck erfüllen!
Man sollte so einen Speicher bauen, zeigen dass es geht und ihn dann exportieren. Und was sind schon 400 Millionen Euro im Vergleich zu dem Geld, das bisher in die Atomforschung gesteckt wurde und noch zur Endlagererforschung gesteckt wird!
Stephanos Thiodaherile
7. Und die Fakten sind......
12.03.2012, Dietmar BrückDesweiteren ist bei "sägerauen" Flächen an der Zylinder- und Kolbenwand vermutlich keine absolute Dichtheit erzielbar, zumal diese wohl nicht exakt rund sind. Ein Entweichen des Drucks über die Spalten (Wasserfontänen) während des Hubs ist also zu erwarten.
Es ist erstaunlich, dass immer wieder Energie-Lösungen in Großkraftwerksprojekten gesucht werden. Dabei ist längst belegt, dass die Entwicklung von intelligent vernetzten dezentralen Lösungen die bessere Alternative für die Zukunft ist.