Gegründet wurde das Salk-Institut von dem Entwickler des Polio-Vakzins Jonas Salk. Er beauftragte den Architekten Louis Kahn, eine Anlage zu bauen, die "einen Besuch Picassos wert" wäre.
Gegründet wurde die Einrichtung 1963 von dem Mikrobiologen Jonas Salk (1914-1995), dem Entwickler des Polio-Vakzins. Nach seinem bahnbrechenden Erfolg im Kampf gegen die tückische Krankheit, die in der ersten Hälfte des Jahrhunderts noch ungebremst ihren Schrecken verbreitet hatte, wollte er Ende der 1950er Jahre einen lange gehegten Traum realisieren: ein Institut, in dem brillante Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen gemeinsam forschen und leben sollten.
"Einen Besuch Picassos wert"
Ein Jahr lang durchstreifte er das Land nach dem geeigneten Ort – und fand ihn schließlich in La Jolla, rund 20 Kilometer außerhalb von San Diego in direkter Nachbarschaft zur nicht minder berühmten University of California.
"Auch in Zeiten des Internets ist das persönliche Gespräch für die Forschung unerlässlich"(William Brody)
Hier schenkte ihm die Stadt ein Grundstück mit Blick auf den Pazifik. Salk fackelte nicht lange und beauftragte den renommierten Architekten Louis Kahn, ihm eine Einrichtung zu bauen, die schlicht, standhaft, haltbar und einfach in der Handhabung sein sollte. Und gleichzeitig, bitte schön, "einen Besuch Picassos wert" wäre.
Außen Kunst, innen funktional
Im Inneren des Salk-Instituts jedoch weicht die Erhabenheit der Außenanlagen der Funktionalität. Auch hier sind die Betonwände unverputzt und karg, die Flure erinnern an Kellerfluchten. Die Räume sind vollgestellt mit Labortischen und überfüllten Regalen, die Arbeitsplatten mit biologischen Proben, Mikroskopen und Laborutensilien übersät. In fensterlosen Räumen bearbeiten Doktoranden Zellkulturen hinter den Glasplatten ihrer Vakuumarbeitsplätze oder erstellen dreidimensionale Bilder von Zellstrukturen am Computer. Hier und da lachen junge Gesichter von Fotocollagen an den Wänden, in einem Computerraum hängt ein Neoprenanzug am Kleiderhaken.
Wegen der ungewöhnlichen Architektur der Gebäude reisen jedes Jahr bis zu eintausend Besucher an. Bekannter als für seine Gebäude ist das Instiut, das mehrere Nobelpreisträger hervorgebracht hat, allerdings für seine Forschung.
Interdisziplinäres Arbeiten
Neben klassischer Grundlagenforschung etwa zur Rolle der Retina bei der Informationsverarbeitung im Auge oder zu Stammzellen gehört auch die Arbeit an Krankheiten wie Aids, Alzheimer, Diabetes oder Autismus zu den Aufgabengebieten der Salk-Forscher. Oft arbeiten Experten unterschiedlichster Forschungsrichtungen gemeinsam an den Projekten. "Die Freiheit für die Forscher hier ist sehr groß", sagt William Brody, "wir pflegen eine Art kreatives Chaos."
Den Erfolg des Instituts und seiner Mitarbeiter führt er übrigens nicht nur auf den interdisziplinären Ansatz, sondern auch auf die Idee des gemeinschaftlichen Campus-Lebens zurück: "Auch wenn wir in Zeiten des Internets leben, ist das persönliche Gespräch für die Forschung unerlässlich." Und auf dem weitläufigen Marmorplatz, mit Blick auf den Pazifischen Ozean und den sonnigen Himmel Kaliforniens, bieten sich genügend Gelegenheiten für einen kleinen Schwatz unter Kollegen.


Freie Wissenschaftsjournalistin 




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