Ende der Ruhezeit?
Ist es damit jetzt vorbei? Bedeutet die neue politische Freiheit für die Natur das Ende der Ruhezeit? Landwirtschaft, Straßenbau und illegale Jagd sind nur einige der Gefahren, denen diese außergewöhnliche Schatzkammer in einem grenzenlosen Europa ausgesetzt ist. Innerhalb Deutschlands gingen seit der Grenzöffnung bereits 15 Prozent des etwa 1400 Kilometer langen, so genannten "Grünen Bandes" verloren. Von ihren ehemaligen Eigentümern billig zurückgekauft oder auf dem freien Grundstücksmarkt veräußert, wurden die wertvollen Flächen unwiederbringlich umgeackert oder unter Decken aus Asphalt begraben. Dies zeigte eine in den Jahren 2001 und 2002 vom Bund Naturschutz durchgeführte Studie. Doch auch Positives hatten die Ökologen zu berichten: Mehr als drei Viertel der Lebensader waren noch intakt. Etwa 600 seltenen Tier- und Pflanzenarten bietet das ehemalige deutsch-deutsche Grenzgebiet noch heute einen Lebensraum.
Ehrgeizige Vision
Und was ist nun neu? Dass sich dieser Ansatz in einer noch ehrgeizigeren Vision wiederfindet: dem "Europäischen Grünen Band". Als ein Symbol für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung soll sich das längste und größte Verbundsystem der Welt durch Europa ziehen. Um bei der langen Strecke von 6800 Kilometern den Überblick zu wahren, ist es in drei Abschnitte unterteilt: Fennoskandien bildet den nördlichen, Deutschland bis Slowenien den mittleren und der Balkan den südlichen Bereich. Damit nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht, hält die Weltnaturschutzorganisation IUCN ganz oben die Fäden zusammen – soweit zumindest die Idee, die sich erst noch bewähren muss. Ziel ist es, Wissen zusammenzutragen und eine gemeinsame Datengrundlage zu schaffen.
Schließlich soll das Europäische Grüne Band zu einem lebendigen Denkmal europäischer Geschichte werden und – den Blick auf die Zukunft gerichtet – die Kooperation zwischen den europäischen Staaten fördern. Zu hoffen ist, dass das überaus positive Beispiel der bereits seit zehn Jahren funktionierenden Zusammenarbeit zwischen finnischen und russischen Naturschutzorganisationen auf die anderen Anrainer abfärben wird. Probleme gibt es hier durchaus – schon, wenn es darum geht, eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu schaffen. Denn nicht alle Länder verfügen über ausreichend geschulte Kräfte und finanzielle Mittel, um Kartierungen und Bestandserfassungen auf vergleichbarem Niveau durchführen zu können.
Zähes Kräftemessen
Und der Anfang ist bereits gemacht: Im September dieses Jahres fand im grenzübergreifenden Fertö-Hansag-Nationalpark in Ungarn die erste internationale Tagung statt. Bei dieser Gelegenheit wurde die Initiative offiziell gestartet. Vielleicht ein Aufhänger, die in Deutschland seit Juni letzten Jahres stagnierende Entwicklung wieder in Gang zu bringen.










drucken




MENSCHEN-BILDER |
Landschaft & Oekologie |
Mente et Malleo |
Polarstern unterwegs |
WIRKLICHKEIT |
Robotergesetze |
NeuroKognition |
bildungslücke |
braincast |
Fischblog |
Detritus |
Uhura Uraniae | 





