Ende des 19. Jahrhunderts förderte eine sensationelle Grabung die steinernen Ruderer und Weinfässer zu Tage – und außerdem etwa 50 ebenfalls zweckentfremdete Grabdenkmäler. Seither bilden diese die "Neumagener Gräberstraße" im Rheinischen Landesmuseum Trier, der ältesten archäologischen Sammlung in Deutschland. Abbildungen der Grabdenkmäler fanden ihren Weg in viele Latein- und Geschichtsbücher. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass jeder, der einmal ein Lateinbuch in den Händen hatte, auf eine der rund 40 Stelen gestoßen ist.
Die Galeere mit den sechs Ruderern ist ein Aufsatz zum Grabdenkmal eines wohlhabenden Weinhändlers.
Grabmäler modern beleuchtet
Während die Beleuchtung ständig wechselt, spielt sich für die Ohren der Zuschauer ein reizvoller Dialog ab, wobei die Lichtschau das Gehörte verdeutlicht und die Reliefs in Szene setzt. Dabei werden die Grabreliefs so kunstvoll ausgeleuchtet, dass die Ruder des Weinschiffes sich scheinbar zu bewegen beginnen. In einem anderen Relief diskutieren Schüler und in einem dritten bearbeiten Sklavinnen das Haar ihrer Herrin.
Neben Asper steht seine Frau Secundia in Stein gemeißelt.
Gelungene Mischung antiker Elemente
Denn während dieser Unterweltreise spielt sich vor den Augen der Suchenden eine mit "höllischen" Elementen gewürzte Version des Alltags in der römischen Provinz ab: Die Herrin tyrannisiert ihre Sklavinnen, ein Schüler auf einer anderen Stele hat vergessen, wer die Medusa getötet hat und behilft sich mit einem: "Der Typ mit dem Schwert!", während sein Mitschüler sich eifrig zu Wort meldet. Asper wird Zeuge von gefährlicher Weinpanscherei mit Hilfe von Most und Blei und empört sich über das schamlose Geschäftsgebaren. Merkur hingegen ist hier, wie auch in anderen Szenen, bei weitem kecker und sorgenfreier als Asper, wodurch die Dialoge kurzweilig und kontrastreich ausfallen.
Pigmente auf den Stelen legen nahe, dass die Grabsteine mit Farben verziert waren. Wie stark sie allerdings leuchteten, lässt sich heute nicht mehr mit letzter Gewissheit sagen.
Die Idee zur Schau
Eckart Köhne, der Direktor des Rheinischen Landesmuseums, erklärt, was ihn auf die Idee zu dieser ungewöhnlichen, knapp eine Million Euro teuren Installation brachte: "Als 2007 die Konstantin-Ausstellung im Museum stattfand und bei einer Podiumsdiskussion ein Fernsehteam den Saal mit Scheinwerfern in Szene setzte, hat uns der Raum gleich viel besser gefallen." Da an den Pyramiden von Gizeh seit Jahren eine Show mit Lichteffekten sehr erfolgreich läuft, ließ er sich von Mediengestaltern beraten. Daraus entwickelte sich ein Drehbuchkonzept, das die Figuren auf den Steinen zum Leben erweckt. Die Show als Ergänzung zur Dauerausstellung könnte ein größeres Publikum ansprechen.
In dieser Szene will Merkur Asper von den Vorzügen des Weins überzeugen.
Gerade Kinder begeistern sich für das Multimediale. Doch erziehen nicht Lichtshows wie diese die Kleinen dazu, über die althergebrachte Ausstellung in Zukunft nur noch die Nase zu rümpfen? Köhne reagiert hier gelassen: "Es wird die Kinder eher neugierig machen, die Reliefs auch einmal ohne Beleuchtung zu sehen. Diese Gefahr wäre viel größer, wenn ein Bildschirm daneben stünde. Hier hingegen sind die Exponate die Präsentationsfläche."
Schöne Schau für die ganze Familie – aber nicht zum Faktenlernen
Das leuchtet ein. Das Gesamtkonzept der in Szene gesetzten Gräber wird erstaunlich gut den verschiedensten Besuchergruppen gerecht, so dass man es – nach den erwähnten Verbesserungen – der ganzen Familie empfehlen kann. "Im Reich der Schatten" hat den Charme des Museums ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit viel Freude am Betrachten. Mit dem dozierenden Ton fehlt zwar auch das Bestreben, mehr als nur die Schönheit und den Inhalt der Reliefs darzustellen – doch die Multimediashow ist nur als Ergänzung zum restlichen Museum gedacht. Vielleicht wäre Latein wieder attraktiver, wenn Schüler erneut das Staunen lernten, wenn sie vor den knapp 1800 Jahre alten Stelen stehen.
Das Landesmuseum zeigt die Multimediashow in der Saison 2010 dreimal täglich, außer montags.








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