350-fach vergrößert haben die beiden die Larve abgebildet und dann mit den Portraits anderer bekannter Insekten gruppiert – zu einer Ahnengalerie der besonderen Art. In vergoldeten Bilderrahmen und mit schlichtem vergoldeten Namensschild bilden sie das Begrüßungskomitee für die Besucher der Ausstellung "Microscapes" in der Ruoff-Stiftung in Nürtingen.
So sind die dicklichen weißen Fäden auf einem Boden mit hellroter Kugelstruktur Stäbchenzellen auf einem Schnitt durch die menschliche Netzhaut, 9600-fach vergrößert. Bei der Landschaft aus Miniaturbäumchen, die an die Kunstwälder von Modellbauern erinnern, handelt es sich um reife Fruchtkörper des Schleimpilzes Trichia decipiens var. olivacea, 350 Mal so groß wie in Wirklichkeit.
Damit Tagfalterrüssel oder Schleimpilze ihre surreale Schönheit überhaupt offenbaren können, müssen sie erst aufwändig präpariert werden. Zunächst werden die oft nur wenige Millimeter großen Objekte chemisch fixiert, dann in Alkohol eingelegt, damit sie nicht schrumpfen oder sich verformen. In einer Druckkammer wird dann der Alkohol durch flüssiges Kohlendioxid ersetzt, das Ganze anschließend erhitzt. Nach Ablassen des CO2 ist das Präparat wasserfrei. Dann wird die Probe unter Vakuum mit Gold bedampft. Die Goldschicht macht die Probe elektrisch leitend, um eine Aufladung durch den Elektronenstrahl zu verhindern. Bis eine Probe fertig fürs Foto ist, können so mehrere Tage vergehen.
"Uns fasziniert an dieser Ausstellung die Nähe des wissenschaftlichen Fotos zur Kunst", sagt Michael Maile, der Kurator der Ruoff-Stiftung. Die Schuppen der Haihaut, 580-fach vergrößert, erinnert ihn an abstrakte Gemälde, die Suche nach einem geeigneten Bildausschnitt an die subjektive Kreativität des Künstlers.
Die Ausstellung "Microscapes" ist noch bis zum 23. Oktober zu sehen. Geöffnet ist donnerstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr.


Freie Wissenschaftsjournalistin






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