Ein Regenguss reicht aus, um sie zum Leben zu erwecken: Frösche der Art Aglyptodactylus securifer reagieren auf die steigenden Wasserstände mit massenhafter, gleichzeitger Fortpflanzung.
Ökotouristen oder Neokolonialismus?
Dabei könnte die Natur vielleicht das größte Kapital Madagaskars sein: Der 2001 demokratisch – wenn auch nicht ohne Betrugsvorwürfe – gewählte Präsident Marc Ravalomanana identifizierte daher den Ökotourismus als wichtige Devisenquelle für Madagaskar. Er entwickelte einen ambitionierten Plan, demzufolge innerhalb von fünf Jahren viele der verbliebenen Waldgebiete unter Schutz gestellt werden sollten. Ein Teil dieses Planes wurde in den vergangenen Jahren mit ausländischer Hilfe umgesetzt, die Zahl der Reservate im Land verdreifacht.
Nordwestlich von Tana zeigt sich Madagaskar kahl und erodiert. An vielen Stellen brennen Feuer, die Anwohner gelegt haben, um frisches Gras für ihre Zebuherden wachsen zu lassen.
Vielen Madagassen habe durch die Wirtschaftskrise plötzlich das Geld für Lebensmittel gefehlt, die Touristen blieben aus, und die organisierte Kriminalität nahm zu, charakterisiert Steven Goodman, Wissenschaftler am Field Museum in Chicago und seit Jahrzehnten einer der renommiertesten Madagaskarforscher weltweit, die Ausgangslage für den verzweifelten Staatsstreich. Ravalomanana – mit Milchprodukten zum Millionär geworden – unternahm nicht viel, um das Leid der Menschen zu lindern, sondern machte Schlagzeilen mit dem Kauf eines Präsidentenflugzeugs für sechzig Millionen Dollar und Steuersenkungen für Güter, die hauptsächlich in seinem privaten Firmenimperium weiterverarbeitet wurden.
Bei Madagaskar-Paradiesschnäppern (Terpsiphone mutata) gibt es zwei Erscheinungsformen der Männchen: schwarz-weiße und rot-braune. Warum und wie diese beiden Farbvarianten nebeneinander bestehen, ist bislang noch nicht erforscht.
Selbstbedienung und internationale Gier
Trotz der übereilten Installation Rajoelinas als neuer Präsident haben die Unruhen ein Machtvakuum hinterlassen, das sich bis in kleinste lokale Strukturen erstreckt. Zudem wurden internationale Hilfsgelder – die bis zu 70 Prozent des madagassischen Haushalts ausmachten – für die als unrechtmäßig eingestufte Regierung eingefroren. Und auch der Ökotourismus kam nahezu völlig zum Erliegen. So wurde der Marojejy-Nationalpark im Nordosten Madagaskars – einziger verbliebener Lebensraum der Seidensifakas (eine Lemurenart) – geschlossen, weil an Stelle der Touristen bewaffnete, oftmals von ausländischen Geldgebern angeführte Banden und Wilderer auftauchten und begannen, den Wald zu plündern. "Das Geld für Wächter oder Parkranger fehlt ganz einfach. Es ist eine schlimme Situation, es gibt keinerlei Kontrolle mehr", so Madame Rasamy, Biologieprofessorin an der Universität in Antananarivo. Neben Marojejy ist auch der auf einer Halbinsel im Osten gelegene Masoala-Nationalpark stark betroffen. Auch hier haben es die Plünderer wie in Marojejy vor allem auf teure Harthölzer abgesehen, die zum Möbelbau nach Amerika und Europa verschifft werden.
Die seltene Flachrückenschildkröte (Pyxis planicauda) kommt nur auf Madagaskar vor.
Mittlerweile wurden zwar Festnahmen in dem Fall gemeldet, doch handelt es sich dabei nur um Bewohner der extrem armen Region, die für eine minimale Bezahlung die Tiere entwendet hatten. Von den Vermittlern und Hintermännern sowie den gestohlenen Schildkröten fehlt bislang jede Spur.
Die Flachrückenschildkröte (Pyxis planicauda) ist ein Lokalendemit und kommt nur in einer eng begrenzten Region des westmadagassischen Trockenwaldes zwischen Analaiva und Masoarive vor. Die Tiere sind nur während der Regenzeit zwischen November und April aktiv; die trockenen Perioden überdauern sie eingegraben im Boden. Auf Grund des sehr kleinen Verbreitungsgebietes und dem Verkauf an ausländische Terrarianer gilt die Art als bedroht.


Der Autor forscht zur Zeit auf Madagaskar an Lemuren







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1. Danke für den Artikel
23.07.2009, Elfi Littmann-Kaba, MADASOLEIL SARL - Mahajangaherzlichen Dank für diesen hervorragenden Artikel !
Es ist die kompetenteste und ausgewogenste Schilderung der Situation hier in Madagaskar, die ich seit langem gelesen habe.
Mit sonnigen Gruessen aus Mahajanga/Madagaskar