Kommentar
Last Exit Copenhagen
Kopenhagen dürfte die letzte Chance für die Menschheit sein, die globale Erwärmung noch auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Über dieses schon seit 1996 von der Europäischen Union vertretene Ziel sind sich Klimaforscher und Politiker inzwischen weltweit nahezu einig. Seit dem G8-Gipfel im Juli stehen auch die USA und die wichtigsten Schwellenländer wie China oder Brasilien dahinter. Insgesamt erkennen 133 Staaten mit rund 80 Prozent der Weltbevölkerung die Bedeutung der Zwei-Grad-Leitplanke an; viele fordern sogar 1,5 Grad.
Weniger ist kaum noch zu schaffen. Um 0,8 Grad Celsius hat sich die Erde seit Beginn der Industrialisierung bereits erwärmt, und ein weiteres halbes Grad ist gewissermaßen "in der Pipeline": Die Treibhausgase dafür befinden sich schon in der Luft; nur die thermische Trägheit der Ozeane verhindert bisher, dass sie sich unmittelbar in einem Temperaturanstieg niederschlagen. Wird in Asien künftig der kühlende Smog reduziert, ist sogar eine noch stärkere Erwärmung zu erwarten. Es gibt viele Gründe, warum ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um mehr als zwei Grad Celsius nicht zu verantworten ist


Stefan Rahmstorf zählt zu den
führenden deutschen Klimaforschern.
Als promovierter Ozeanograf
am Potsdam-Institut für
Klimafolgenforschung war er
Hauptautor des jüngsten IPCC-Berichts.
Im Blog KlimaLounge von "Spektrum der Wissenschaft"
äußert er sich regelmäßig zu aktuellen Klimafragen. Bei Cambridge University Press ist gerade das Buch
"The Climate Crisis" von ihm und
David Archer erschienen.
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1. Emissionshandel als einfache Lösung?
14.12.2009, Dr. Ruth Berger, FrankfurtSeit Jahrzehnten versickern EU-Milliarden zum Bau von Kläranlagen und Müllverbrennungsanlagen in Süditalien in dunkle Kanäle; mit den Afghanistan-Hilfsgeldern der UN war es ähnlich. Es gibt wenig Grund anzunehmen, dass die Verwendung der Emissionszertifikatserlöse in Ländern wie Indien, Pakistan oder Kongo besser kontrollierbar wäre.
Gut kontrollierbar wären nur direkte Maßnahmen bei uns, die höchstwahrscheinlich aber teurer und/oder entbehrungsreicher wären als die zwanzig bis sechzig Euro "Klimaspende" pro Person und Jahr, die Herr Rahmstorf nennt.
Führt die Möglichkeit, von Entwicklungsländern Emissionszertifikate zu erwerben, nicht dazu, dass hochentwickelte Länder die eigene harte Umstellung auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben?