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Magazin | 19.12.2007

Klima

Falsche Klimaskeptiker

Pseudoexperten, die mit haltlosen Argumenten eine angebliche Klimamafia anprangern, bringen ernst zu nehmende Forscher in Misskredit, die begründete Zweifel am Schreckensszenario eines katastrophalen anthropogenen Klimawandels hegen.

Sven Titz
Sven Titz ist promovierter Meteorologe und arbeitet als freier Journalist in Berlin.

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aus Spektrum der Wissenschaft Januar 2008

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  • Falsche Klimaskeptiker
  • Größter Gletscher Grönlands fließt in Rekordtempo
  • Mehr als Nachäffen
  • Schwarze Löcher als Super-Teilchenbeschleuniger
  • Seid gut zu Fliegen!

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Lesermeinung

  • 1. Zur Emanation eines wissenschaftlichen Themas

    21.12.2007, Prof. Dr. Karsten Löhr, Ulm
    „Umwelt“ ist nicht nur ein neues wissenschaftliches Thema, sondern erfordert auch meist eine neue wissenschaftliche Denkweise, die gelegentlich als ganzheitlich oder komplex [lat. complectere: verflechten] bezeichnet wird. In meiner Vorlesung zur „Umweltverträglicher Produktion und Recycling“ widme ich daher zum Schluss jeder Veranstaltung einen kleinen Teil der Frage: „Was verträgt die Umwelt?“ Dabei geht es dann um wissenschaftliches Arbeiten mit den Aspekten Systematik, Quantifizierung, Symmetrie, Experiment, Organisation und Management – aber auch um wissenschaftliches Denken mit den Aspekten Logik, Dialektik, Epagogik, Apodiktik, Elenktik, Epistemik … und Skepsis.

    Gerade mit dem Thema „Klimawandel“ lässt sich die Komplexität aus wissenschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen erläutern. Dazu habe ich folgende Argumentationskette zusammengetragen:

    1. Was sich ändert: Die Menschheit führt der Atmosphäre jährlich in etwa 22 Gt (Milliarden Tonnen) zusätzliches Kohlenstoffdioxid (CO2) zu. Dies entspricht etwa 1% des atmosphärischen CO2 von 2200 Gt. In den letzten 100 Jahren ist der CO2-Gehalt der Atmosphäre um etwa 15%, von unter 330 ppm auf fast 380 ppm, gestiegen.

    2. Was bleibt: Die Biosphäre tauscht jährlich etwa ein Viertel des gesamten CO2 mit der Atmosphäre, also etwa 440 Gt und somit das Zwanzigfache des menschlichen Beitrags. Das zusätzliche CO2 ist damit in erster Näherung vernachlässigbar und dient im Wesentlichen als zusätzliches „Futter“ für die assimilierenden Prozesse der Pflanzen.

    3. Was sich dennoch ändert: Die Temperatur der Atmosphäre wird vorwiegend durch Wasserdampf bestimmt. Das IPCC behauptete 1988, dass bereits eine geringe Temperaturerhöhung der Atmosphäre – durch zusätzliches CO2 – auch mehr Wasserdampf in der Atmosphäre nach sich zieht und in der Folge das gesamte Gleichgewicht destabilisiert.

    4. Was dennoch bleibt: Die unterjährigen Schwankungen des CO2-Gehalts mit den Jahreszeiten ist größer als die langjährigen Zuwächse – und doch folgt zuverlässlich jedes Jahr der Winter dem Sommer. Offenbar destabilisiert sich das Klima nicht so leicht. Ein höherer CO2-Gehalt führt zudem zu schnellerem Pflanzenwachstum, eine höhere Temperatur führt außerdem zur Ausbreitung der Vegetation und längeren Wachstumsperioden in den nördlichen Breiten, ein höherer Wassergehalt der Atmosphäre ermöglicht Wachstum auch in trockenen Bereichen der Erde ... wodurch allesamt wiederum CO2 gebunden wird.

    5. Was sich aber noch ändert: Der erhöhte Austausch zwischen den Sphären (Atmo-, Hydro, Litho-, Bio-, Glazio, Strato-, Ozono- etc.) führt zu Katastrophen, wie Wirbelstürme, Gletscherschmelzen, Bergrutsche, Dürren, Überschwemmungen, Auftauen von Permafrostzonen, Ablenkung des Golfstroms etc.

    6. Was aber noch bleibt: Erd- und menschheitsgeschichtlich hat es solche Katastrophen immer wieder gegeben. Auch bleiben viele Änderungen ohne weitere Auswirkungen, weil beispielsweise der Meeresspiegel durch das Schmelzen von Meereis nicht steigt und am Südpol durch mehr Feuchtigkeitsaustausch durchaus auch mehr Eis aufgebaut wird. Wüstenstürme tragen Mineralien weit in die Ozeane , so dass dort wiederum das Plankton mehr CO2 bindet.

    7. Was sich darüber hinaus ändert: Die Häufung von Klimakatastrophen führt zu humanitären Notständen – Vertreibung, Kriege, Kulturverlust …

    8. Was darüber hinaus bleibt: Die humanitären Notstände bestehen eher aufgrund von politischen, ethnischen, religiösen, wirtschaftlichen Konflikten der Menschheit. Warum sollten die Anstrengungen auf Umwelt und Klima fokussiert werden, anstatt zunächst am Fortschritt der Zivilisation zu arbeiten. Außerdem zeigen historische Betrachtungen und Berechnungen, dass sich die Menschheit in einer Warmzeit besser ausbreiten kann und die Kultur erblüht …

    9. Was sich also ändert: Der Klimawandel ist eine neue technische Herausforderung, die sich in dieser Weise nie zuvor gezeigt hat. Weder war bisher der Einfluss menschlichen Lebens auf das globale Klima so stark, noch waren bisher die technischen Voraussetzungen vorhanden, einen Klimawandel zu stoppen. Zumindest gehört es damit auf die Tagesordnung für wissenschaftliche Diskussionen und eröffnet besondere Impulse für das Verständnis der Natur und den technischen Fortschritt.

    Was ich damit zeigen will ist, dass Skepsis eine wichtige Form von wissenschaftlichem Denken darstellt, welches wir in unserer modernen Orientierung am technisch Machbaren aus den Augen verloren haben – welches wir aber zum „ganzheitlichen Denken“ und der Erforschung komplexer Systeme wie Umwelt oder Klima beachten müssen. Oder, wie Sextus Empiricus in der „Gründzügen der Pyrrhonischen Skepsis“ bereits vor 1700 Jahren klar und einleuchtend formulierte:

    „Skepsis ist die Kunst, auf alle mögliche Weise Erscheinungen und Denkweisen einander entgegenzusetzen, von der aus wir wegen der Gleichwertigkeit der Entgegensetzungen und deren Argumente zuerst zur Zurückhaltung, danach zur Seelenruhe gelangen. „Kunst“ bezeichnen wir die Skepsis nicht in irgendeinem ausgeklügelten Sinne, sondern schlicht im Sinne von [wissenschaftlichem] können. Unter „Erscheinungen“ verstehen sich hier die bloßen Sinneseindrücke, weshalb wir ihnen den Denkweisen gegenüberstellen. Mit „Entgegensetzungen“ meinen wir nicht nur Verneinungen oder Bejahungen, sondern schlicht die bestehende Unverträglichkeit von Argumenten. Als „gleichwertig“ bezeichnen wir das Auftreten von Glaubwürdigkeit und Unglaubwürdigkeit, ohne dass dabei eines der unverträglichen Argumente das andere als glaubwürdiger überragt. „Zurückhaltung“ ist ein Stillstehen des Verstandes, durch das wir weder etwas ausschließen noch behaupten. [Wird in den modernen östlichen Meditationen auch „Nirwana“ oder „Wu-Wie“ genannt. Anm. des Verf.] Mit „Seelenruhe“ schließlich ist die Ungestörtheit und Meeresstille der Seele gemeint. Wie aber diese Seelenruhe sowie die Zurückhaltung eintreten, werde ich im Kapitel über das „Ziel“ darlegen.“
  • 2. Diffamierung statt wissenschaftliche Diskussion

    23.12.2007, Ernst Beck, Postfach 1409, 79202 Breisach
    Der Autor des Kommentars zitiert unter anderem mich und meine Arbeit speziell meine Veröffentlichung in Energy&Environment Vol. 18/2: "180 Years of Atmospheric CO2 Gas Analysis by Chemical Methods", die ein 2faches Peer Review-Verfahren durchlaufen hat. Seine Semantik ist nahezu identisch mit seinem langjährigen Co-Autor Stefan Rahmstorf. Dabei verläßt er wie dieser den Boden sachlich wissenschaftlicher Auseinandersetzung, zumal es sich bei meiner Arbeit nicht um eine Arbeit aus seinem Fachbereich handelt, sondern um analytische Chemie, eine dem Autor fachfremde Disziplin.

    Meine Arbeit sei mit Fehlern gespickt, ich stütze mich auf fehlerhafte Messungen, ich sei als Biologe ein unechter Fachmann, meine Stimme unseriös. Gerne bin ich als gelernter Pflanzenphysiologe und Biochemiker dem Meteorologen Titz beim Thema Kohlenstoffdioxid behilflich. In dem kritisierten Papier untersuchte ich die in der Fachliteratur dokumentierten CO2-Messungen seit 1800 nach Gesichtspunkten der modernen analytischen Chemie mit dem Ziel einer Evaluierung, also fehlerhafte von akzeptablen zu selektieren, methodische und systematische Fehler zu quantifizieren. Dazu wurde aus über 390 Fachartikeln 138 Datenreihen mit mehr als 90 000 Werten seit 1812 selektiert, die ab 1857 innerhalb 3% Genauigkeit lagen und die an Meßstandorten unter kalibrierten Bedingungen durchgeführt wurden. Das Ergebnis war überraschend.

    Entgegen den Aussagen des IPCC, das nur insgesamt 38 historische Papiere betreffend CO2 teilweise fehlerhaft ausgewertet hatte ohne z.B. die verwendeten chemischen Methoden zu untersuchen, gab es vor den Messungen Charles Keelings 1957 auf Mauna Loa hochpräzise CO2-Messungen über mehrere Jahre, z.B. in Giessen zwischen 1939 und 1941 durch W. Kreutz mit einem korrigierten Mittelwert von 390 ppm. Der Gasanalysator von Kreutz war genauer als der von Keeling um 1960. Tatsächlich wurden diese Daten fälschlicherweise ignoriert oder von Keeling falsch bewertet, was zu einem nicht korrekten vorindustriellen CO2-Wert von ca. 290 ppm führte. Dieser lag tatsächlich im 19.Jh. bei 312 ppm. Außerdem ergab sich eine seit 1812 auf der Nordhemisphäre schwankende CO2-Kurve mit Maxima um 1825, 1857 und 1942. Bemerkenswerterweise ist der so rekonstruierte CO2-Verlauf zwischen 1875 und 1925 identisch innerhalb des Fehlerbereichs und er korreliert sehr genau mit der gemessenen Temperatur der Nordhemisphäre und der Antarktis im Gegensatz zu modernen Darstellungen des CO2-Verlaufs.

    Weiterhin und unbemerkt von allen Untersuchungen seit Keeling ergab sich eine CO2-Schwankung mit den Mondphasen, die auch in modernen Daten zu finden sind.

    Ich bin überzeugt, daß diese stärkere Differenzierung das Niveau des Kommentars angehoben hätte.

    Ernst Beck Dipl. Biol.
    Postfach 1409
    79202 Breisach
    Mail: egbeck@biokurs.de
    Antwort der Redaktion:
    Antwort von Sven Titz In meinem Kommentar stütze ich mich auf das einhellige Urteil kompetenter Wissenschaftler, wonach die Studie von Herrn Beck für die Klimaforschung ohne Wert ist. Eines der wichtigsten Argumente, das gegen seinen Artikel in Energy & Environment vorgebracht wird, hat mit der CO2-Hintergrundkonzentration zu tun. Sie ist nicht leicht zu messen, denn an vielen Orten an der Erdoberfläche steigt der CO2-Gehalt wegen lokaler Quellen immer wieder über den Hintergrundwert hinaus an (auf solche Messungen stützt sich Herr Beck). Doch an der in Eisbohrkernen eingeschlossenen Luft lässt sich erkennen, dass die CO2-Hintergrundkonzentration in den Jahrhunderten zwischen dem Ende der letzten Eiszeit und dem Beginn der Industriellen Revolution um den Wert 280 ppm herum lag. Erst in den vergangenen 150 Jahren ist die CO2-Hintergrundkonzentration rasant angestiegen - dieser Vorgang lässt sich anhand charakteristischer Isotope eindeutig auf menschliche Aktivitäten zurückführen und gilt in der Fachwelt als unumstritten.

    Herr Beck schreibt in seinem Leserbrief außerdem, Stefan Rahmstorf sei ein "langjähriger Co-Autor" von mir. Diese Aussage ist bestenfalls amüsant und hat folgenden Hintergrund: Als ich noch Doktorand an der Unversität Potsdam war, entstanden zwei Forschungsartikel, an deren Produktion Stefan Rahmstorf, meine Person und weitere Wissenschaftler beteiligt waren. Das ist alles.

    Über ernsthaft strittige Punkte in der Klimaforschung berichte ich als Journalist regelmäßig und kritisch (siehe beispielsweise meinen Spektrum-Artikel "Wolkige Projektionen" vom April 2007). Dabei geht es aber um vollkommen andere Dinge, als sie Herr Beck propagiert.
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