Im Urmanuskript des "Struwwelpeter" platzierte Heinrich Hoffmann die spätere Titelfigur noch auf der Rückseite.
Schließlich machte er sich 1844 selbst an die Arbeit und brachte die "lustigen Geschichten und drolligen Bilder" zu Papier. Das später in "Der Struwwelpeter" umbenannte Buch hatte seinen Zweck erfüllt. "Mein Söhnchen hatte seine helle Freude daran", schreibt Hoffmann stolz.
Hobby und Beruf
Aus einem Weihnachtsgeschenk wurde ein riesiger Erfolg. Schon einen Monat später waren bereits 1500 Exemplare verkauft. Hoffmann verfasste noch zahlreiche andere lustige Geschichten. Doch das Schreiben und Zeichnen war nur ein Hobby. "Ich lege diesen Sachen keinen sehr großen Wert bei."
Im Jahr 1851 ist er "endlich in eine definitiv ärztliche Stellung hineingeraten", die seinen Wünschen entsprach, berichtete Hoffmann einem Freund: Er wurde zum ärztlichen Leiter der Frankfurter "Anstalt für Irre und Epileptische".
Doch die Bedingungen in der alten Klinik gefielen ihm gar nicht. Das Haus in der Frankfurter Innenstadt erwies sich als vollkommen überbelegt, die Insassen wurden nicht nach Krankheitsbildern getrennt und hatten keinerlei Beschäftigungsmöglichkeit. "Die Patienten wurden einfach weggesperrt", erklärt Beate Zekorn-von Bebenburg, Leiterin des Struwwelpeter-Museum in Frankfurt.
Unheilbare Sünden
Hoffmann wollte das ändern. Er besuchte Psychiatrien in ganz Europa, um Ideen zu sammeln, wie er die Anstalt menschenfreundlicher machen konnte. "Meine Aufgabe war, alle Gebrechen unserer alten Anstalt zu erkennen und über unsere zukünftigen Bedürfnisse nachzudenken", schreibt er. Sein Ergebnis: Die Stadt brauchte einen Neubau.
Heinrich Hoffmann errichtete in Frankfurt am Main auf dem Affensteiner Feld eine nach damaligem Maßstab äußerst moderne psychiatrische Klinik, die im Volksmund auch als "Irrenschloss" bezeichnet wurde.
Hoffmann vertrat diese moderne psychiatrische Schule, er verabscheute Zwangsjacken und Isolierzellen.
"Es muß vor allem so sein, daß der Eintritt des Arztes in eine Abteilung etwas vom Sonnenaufgang an sich habe"
(Heinrich Hoffmann)
"Heinrich Hoffmann verfolgte eine Therapie der Liebe", berichtet Zekorn-von Bebenburg. Diese Einstellung veranlasste ihn, mit einem enormen Engagement für eine neue psychiatrische Klinik zu kämpfen. Seine erste große Aufgabe war es nun, Geld für einen Neubau zu sammeln. Der Arzt gründete zu dem Zweck eine Bürgerinitiative, zerriss einen Stadtplan von Frankfurt in kleine Schnipsel und verteilte sie unter die Leute. Jeder sollte in dem ihm auf diese Weise zugewiesenen Teil der Stadt so viel Geld wie möglich zusammentragen.
(Heinrich Hoffmann)
Fünf Jahre nach Baubeginn war die Anstalt bezugsfertig und öffnete sich den Kranken als eine der modernsten Kliniken ihrer Zeit. Sie beherbergte die Patienten nach Geschlecht und Krankheitsbild getrennt, war zweckmäßig eingerichtet und verletzte dennoch nicht das "Zartgefühl der Kranken".
Ordnung, Arbeit und Liebe
Hoffmann konnte sich nun endlich seinen Patienten zuwenden. Nach und nach gab er den Kranken immer weniger Medikamente und beschränkte seine Therapie auf "Ordnung, Arbeit, Teilnahme, Liebe, Freundlichkeit und Ernst, je nach Bedürfnis".
Hoffmann entwickelte erste Ansätze von Gesprächs- und Arbeitstherapie. Er ließ beispielsweise seine Patienten Zigarren drehen und Gemüse anbauen.
"Ich war und bleibe Optimist"
(Heinrich Hoffmann)
Diese waren so glücklich mit ihrem Arzt, dass sie sich immer wieder für seine "wahrhaft väterliche Fürsorge" bei ihm bedankten. So schrieb etwa ein Patient in einem Brief: "Sie bleiben fortwährend bemüht, einen recht unglücklichen Menschen, wie ich es bin, aus seinem Elende zu heben."
(Heinrich Hoffmann)
Die Irrenanstalt sah Heinrich Hoffmann als sein Lebenswerk. Er ging erst mit knapp 80 Jahren in den Ruhestand und starb am 20. September 1894 an den Folgen eines Schlaganfalls. Seine Lebenserinnerungen schließt er mit den Sätzen: "Ich war und bleibe Optimist. Die Menschen sind besser, als viele meinen."







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