In 20 bis 50 Jahren könnte die Arktis zumindest im Sommer eisfrei sein – und damit ihre Rohstoffe erreichbar. Der Wettlauf um die profitablen Claims ist bereits in vollem Gang.
"Lomonossow ist russisch"
Dabei ist völkerrechtlich noch völlig unklar, ob der Nordpol – und vor allem das Nordpolarmeer – überhaupt von einer Nation beansprucht werden kann: 1994 trat die Seerechtskonvention der Vereinten Nationen in Kraft, nach der Staaten Anspruch auf Meeresregionen erheben können, die bis zu 200 Seemeilen vor ihrer Küste liegen. Nur in Ausnahmefällen dürfen sie diese Zone mitsamt der Nutzungsrechte auf 450 Seemeilen ausdehnen. Eine Ausnahme, die Russland geltend macht: "Der Lomonossow-Rücken ist Teil von Russlands Landmasse", erklärte das russische Ministerium für Bodenschätze mit Blick auf das unterseeische Gebirge, das sich 1800 Kilometer quer durch den Arktischen Ozean zieht und auf dem die Russen ihre Fahne setzten.
Teile der Arktis wurden bereits im Zuge der Ölförderung in ein Industriegebiet umgewandelt – etwa in Alaska oder Russland. Hier verläuft die Trans-Alaska-Pipeline und der Dalton Highway durch die Brooks Range Alaskas.
Weitere konkurrierende Gebietsansprüche betreffen Russland und Norwegen, Kanada und die USA oder Dänemark und Island, wobei selbst befreundete Nationen wie Kanada und die Vereinigten Staaten schon scharfe diplomatische Protestnoten bezüglich der arktischen Gewässer ausgetauscht haben. Eine Entscheidung der Vereinten Nationen, wer wo seine Grenzen rund um den Nordpol ziehen darf, steht noch aus: Erst müssen die betroffenen Staaten wissenschaftliche Belege vorlegen, die ihre Ansprüche stützen – Kanada etwa hat für diese Datensammlung noch bis 2013 Zeit.
Militärische Machtdemonstrationen
Die Grenzverläufe in der Arktis sind noch weit gehend ungeklärt – als das Eis noch dauerhaft war, interessierte sich keiner für die Region. Doch das hat sich nun geändert: Die Anrainer erheben sogar Ansprüche auf den Nordpol selbst.
Lohnt der Aufwand?
Immerhin ruderte der russische Außenminister Sergej Lawrow auf der letzten Tagung des Arktischen Rates im norwegischen Tromsö Ende April zurück: "Russland hat keine Pläne zur Aufstockung der militärischen Präsenz oder zur Stationierung von Waffen in der Arktis. Unsere Position besteht darin, über die bestehenden Völkerrechtsnormen jegliche Fragen der Entwicklungszusammenarbeit in dieser Region zu lösen."
Längst lassen die Anrainerstaaten in der Arktis wieder ihre Muskeln spielen: Die Russen patrouillieren regelmäßig mit Kampfflugzeugen, die US-Amerikaner schicken wieder ihre U-Boote auf Streife. Hier pausiert die USS Annapolis im Eis.









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