Extraterrestrisches Leben
Molekülmangel auf Titan könnte auch biochemische Ursache haben
Der Titan gilt als mögliche Oase für extraterrestrisches Leben, weil er – obwohl zu kalt für flüssiges Wasser, eine Grundbedingung für irdisches Leben – in den flüssigen Kohlenwasserstoffseen auf seiner Oberfläche womöglich ein geeignetes Habitat bereit hält. Hypothetische Lebensformen könnten hier Energie gewinnen, indem sie, zum Beispiel, das chemisch einfachste Alkin, Acetylen, verstoffwechseln. Dies könnte in einer Art Gärungsprozess geschehen, bei der Acetylen durch Wasserstoff reduziert wird, wobei die dabei frei werdende Energie der Lebensform zu Gute kommt. Lebensformen mit einer solchen Art der Energiegewinnung, so spekulierte McKay schon vor fünf Jahren, müssten ihre Existenz per Nährstoffverbrauch aber eigentlich dadurch verraten, dass in ihrer Umwelt deutlich weniger Azetylen und Wasserstoff vorhanden ist.
Und exakt diesen Mangel an beiden Molekülen finden nun tatsächlich zwei Forscherteams, die die Titanatmosphäre durchsucht haben: Von Roger Clark vom US Geological Survey in Denver und Kollegen ausgewertete Infrarotspektren mit dem Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIMS) der Sonde Cassini fanden zunächst zu ihrer Überraschung keinerlei Spuren von Azetylen, obwohl es bei dem in die Titan-Atmospäre einfallenden UV-Licht eigentlich ständig nachgebildet werden müsste [1]. Und Darrell Strobel von der Johns Hopkins University in Baltimore und seine Kollegen ergänzen, dass Wasserstoff aus den unteren Schichten der Titangashülle zu verschwinden scheint [2].
Das Fehlen von Azetylen und das Verschwinden von Wasserstoff könnte aber durchaus auch andere Ursachen haben als ein hypothetisches Lebewesen auf der Saturnmondoberfläche, gibt der Chef der Astrobiologie-Abteilung der Nasa, Mark Allen, zu bedenken: Vielleicht verschwinden neu gebildete Azetylen-Moleküle in unter der Sonneneinstrahlung entstehenden, größeren organischen Konglomeraten – diese könnten durchaus abregnen, ohne die typische Azetylensignatur zu zeigen. "Es ist mehr als wahrscheinlich, dass chemische Prozesse alle Beobachtungen verantworten – eine biologische Erklärung wäre dann verzichtbar", so Allen. Jedenfalls aber liege noch eine Menge von Arbeit vor den Wissenschaftlern, die die Atmosphärendaten des größten Saturnmonds interpretieren. (jo)



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