Wasser liebend
Da Chlor enorm hydrophil, also Wasser anziehend ist, gilt es als äußerst empfindlicher Indikator für den Wassergehalt eines Gesteins. Wäre dieser im Mondmaterial anfänglich tatsächlich ähnlich hoch gewesen wie in terrestrischen Gesteinen, meinen Sharp und sein Team, hätte die Häufigkeit der verschiedenen Chlorisotope in den untersuchten Proben nicht derart variieren dürfen. Denn im Magma und Lava auf der Erde bliebe das Isotopenverhältnis von 35Cl und 37Cl nahezu gleich, da bevorzugt das leichtere Isotop verdampft und das schwerere sich in ähnlichem Maß in Form von Chlorwasserstoffgas verflüchtigt.
Diese grünen Glaskügelchen sammelten die Astronauten als sie mit der Mission Apollo 15 den Mond erkundeten. Vermutlich entstanden diese rund 0,2 Millimeter messenden vulkanischen Ablagerungen früh in der geologischen Geschichte des Erdtrabanten.
Im Juli 2008 waren Geophysiker Alberto Saal von der Brown University in Providence und seine Kollegen in Mondproben der Apollo-Mission dagegen auf Wasser gestoßen. In vulkanischen Gläsern hatten sie mit Hilfe der so genannten Sekundärionen-Massenspektrometrie bis zu 46 Teile Wasser pro einer Million anderer Teilchen gefunden – fest eingewoben in die Struktur des Glases und nicht etwa in Form kleiner Wassertröpfchen [2].
Nicht repräsentativ
Computersimulationen zufolge gingen rund 98 Prozent des Wassers im lunaren Magma während der Eruption in den Weltraum verloren. Den ursprünglichen Wassergehalt im Glas schätzten die Wissenschaftler deshalb sogar auf 745 Teile Wasser pro einer Million anderer Teilchen – ähnlich dem Wassergehalt von Lava, die am Mittelozeanischen Rücken der Erde austritt. Andere Forschergruppen untersuchten den Wasserstoffgehalt des im Mondbasalt enthaltenen Minerals Apatit und schließen auf ähnliche bis rund fünfmal so hohe Wasserkonzentrationen [3,4].
Diese Funde seien nicht repräsentativ, verteidigen Sharp und Kollegen ihr Ergebnis. Stattdessen seien die wasserhaltigen Gesteine wahrscheinlich das Produkt von bestimmten magmatischen Prozessen, die zu einer Anreicherung von flüchtigen Verbindungen führten. Denn im Gegensatz zur Mehrzahl der Mondgesteine zeigten diese keine hohen und variablen Chlorisotopenverhältnisse.






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