Die Erklärung: Die in weißes Plastik gehüllten Heuballen erinnern Betroffene an eine übliche Verpackungsform von Kokain. In vielen Fällen reichen solche Bilder schon aus, um ein sehr starkes Verlangen nach dem Rauschgift auszulösen und damit unter Umständen sogar einen Rückfall zu provozieren.
Das Experiment demonstriert das Grundproblem jeder Sucht: Bestimmte Assoziationen mit dem Drogenkonsum können zu einem Kontrollverlust führen und damit zu zwanghaftem Konsum. Oft ist diese Verknüpfung so tief eingebrannt, dass der Süchtige sie gar nicht mehr bewusst wahrnimmt. In Europa leiden 37 Millionen Menschen an einer substanzgebundenen Sucht; die häufigsten Drogen sind Nikotin, Alkohol, Kokain und Heroin. Hinzu kommen Millionen Spiel- oder Esssüchtige. Klinisch gesehen ist ihnen eines gemeinsam – der Kontrollverlust. Trotz negativer Auswirkungen ziehen die Betroffenen zwanghaft das Konsumieren einer Substanz oder ein bestimmtes Verhalten allen anderen Tätigkeiten vor. Eine vollständige Heilung ist bislang kaum möglich. Ein klarer Auftrag an die neurobiologische Forschung, denn Sucht stellt eine Erkrankung des Gehirns dar


Christian Lüscher ist Neurologe und Neurobiologe sowie Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Genf. 

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1. "Abhängigkeit und Sucht nicht dasselbe"
07.11.2009, Christian Wenig, RegensburgNach heutigem Sprachgebrauch ist der Begriff "Sucht" obsolet, wird aber ob seiner Kürze weiterhin gerne gebraucht.
Laut ICD 10 Kapitel V (F) spricht man heute von "psychischen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen" (F1) bzw. "schädlichen Gebrauch von nicht abhängigkeitserzeugenden Substanzen" (F55) und "abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle" (F63). In keinem dieser Bereiche wird der Begriff Sucht verwendet.
Dagegen ist die Abhängigkeit der Oberbegriff, der sowohl die akute körperliche Abhängigkeit als auch die überdauernde - nach heutiger Kenntnis lebenslange Erkrankung - beschreibt, wobei es dabei unerheblich ist, ob der Betroffene (Abhängige) aktuell konsumiert oder nicht.
Das heißt auch nach einer (körperlichen) Entgiftung bleibt der Betroffene wohl sein Leben lang abhängig, er verliert diese nicht durch eine Entgiftung, wie Professor Lüscher nahelegt.
Diese Differenzierung von Sucht und Abhängigkeit stiftet somit eher Verwirrung, als dass sie einen heuristischen Wert besäße.
Christian Wenig
Arzt
Klinische Suchtmedizin
Bezirksklinikum Regensburg