Darwins Fahrt mit der Beagle über die Weltmeere war eine der wissenschaftlich ergiebigsten Unternehmungen der Weltgeschichte. Hier passiert das Schiff gerade Tierra del Fuego an der Südspitze Südamerikas.
Bahnbrechend auch für die Geologie
Zwei Museen der Universität Bonn veranschaulichen mit Sonderausstellungen diese außergewöhnliche Reise in einer Zeit, in der es noch weit gehend unberührte Kontinente zu entdecken gab. Beheimatet im Institut für Geologie widmet sich das Goldfuß-Museum mit seiner Ausstellung "Charles Darwin – Geologe auf Weltreise" ganz den Stationen, die Darwin zu seinen geologischen Theorien inspirierten. Kompasse, Seekarten und Vermessungsinstrumente geben dem Besucher ein Gefühl für das alltägliche Leben an Bord der Beagle. Die einzelnen Etappen von Darwins Reise, auf denen er Erkenntnisse über den Aufbau der Erde sammelte, sind chronologisch dargestellt.
Die Wissenschaft der Erde und die Paläontologie als Blick in die Vergangenheit von Lebewesen steckten zu Darwins Zeit noch in den Kinderschuhen. Die Katastrophentheorie von George Cuvier (1769-1832) galt im 19. Jahrhundert noch bei vielen Naturforschern als gültige Erklärung der Erdvergangenheit. Nach Cuvier wurden alle Lebewesen individuell erschaffen und sind somit unveränderbar. Wiederholte Katastrophen – wie zum Beispiel die biblische Sintflut – führten allerdings zum Aussterben einiger Arten. Der Franzose versuchte seinen Ansatz zu belegen, indem er Schichtenfolgen und darin liegende Fossilien beschrieb und verglich. Ein Gegner von Cuviers Theorie war dagegen der britische Geologe Charles Lyell (1797-1875), dessen Werk Darwin an Bord der Beagle eingehend studierte.
Durch seine Arbeiten über Rankenfußkrebse etablierte Darwin sich als Paläontologe. In zahlreichen Schaukästen bekommt der Besucher im Goldfuß-Museum Einblick in die Welt der Fossilien und Gesteine, die den Naturforscher faszinierten.
Erdgeschichte zum Anfassen
Am 16. Januar 1832 ging Darwin an den Kapverdischen Inseln an Land. Während des Aufenthalts entdeckte er in den Klippen der Küste ein in 15 Meter Höhe verlaufendes, waagerechtes Muschelschalenband, das man über weite Strecken verfolgen kann. Er sah dadurch Lyells Theorie der langsamen Formung der Landmassen bestätigt. Zeichnungen und Fotografien geben dem Besucher einen Eindruck der Inseln und warum ihr Besuch für Darwin aus geologischer Sicht so bedeutsam war. Insbesondere den hellen Saum aus fossilen Austern bringt das Museum dem Betrachter näher: Eine schmale Spur Schalen klebt auf einem großen Übersichtsbild – Erdgeschichte zum Anfassen.
Darwins daraus folgende Entwürfe zum geologischen Aufbau der Kontinente sowie seine Zeichnungen des Untergrunds liegen im Goldfuß-Museum neben modernen Karten: Die Übereinstimmung ist überraschend groß. Von den beschriebenen Stationen der Reise liegen originale Sandproben in den großen Glaskästen, die dem Besucher einen Eindruck der zahlreichen Strände geben, an denen die Beagle anlegte. In einem geologischen Museum fehlen aber natürlich auch Fossilien nicht: Von winzigen, 15 Millionen Jahre alten Schnecken bis hin zu riesigen Faultierknochen, wie Darwin sie in Südamerika fand, gibt es einiges zu bestaunen.
Forschen unter Platzmangel
Die Besatzung bezeichnete die H.M.S. Beagle wegen ihrer geringen Größe und den zahlreichen präparierten Tieren allgemein als "schwimmenden Sarg". Tatsächlich verstaute Darwin auf der fast fünfjährigen Fahrt 1529 in Spiritus konservierte Arten sowie 3907 Häute, Felle, Knochen und Pflanzen an Bord. Im Museum Koenig geben zahlreiche Kisten und Gefäße mit ausgestopften und eingelegten Tieren einen Eindruck davon, wie Darwin seine Funde organisiert hatte. Anhand einer großen Auswahl präparierter Vögel wird außerdem die Evolutionstheorie gut verständlich erläutert.
Während der Rückreise der Beagle ordnete Darwin seine Aufzeichnungen und erstellte insgesamt 12 Kataloge seiner Sammlungen. Seine zoologischen und geologischen Notizen umfassten weit mehr als 1500 Seiten. Nicht nur seine Abenteuerlust und Ausdauer bestimmten deshalb Darwins Erfolg, sondern auch seine Neigung zum Sammeln und Sortieren. Zusätzlich schrieb Darwin während der Fahrt sein berühmtes Reisetagebuch, das es schließlich auf 770 Seiten brachte. Auch am Ende der langen Fahrt vermerkt er dort noch ebenso fasziniert die "Wunder" der Natur wie am Anfang. Am 12. April 1836 notierte er beispielsweise in sein Reisejournal über die Kokosinseln im Indischen Ozean: "Wir sind überrascht, wenn uns Reisende von den ungeheuren Dimensionen der Pyramiden und anderer großer Ruinen erzählen. Wie völlig nichtssagend sind aber die größten derselben, wenn man sie mit diesen Inseln vergleicht, welche durch die Tätigkeit überaus kleiner und zarter Tiere angehäuft worden sind. Dies ist ein Wunder."
Im Museum Koenig zeigen zahlreiche Kisten mit präparierten Tieren, wie Darwin seine Funde an Bord der Beagle ordnete. Während der Reise sammelte er 1529 in Spiritus konservierte Arten sowie 3907 Häute, Felle, Knochen und Pflanzen.


Die Autorin ist freie Wissenschaftsjournalistin in Aachen.


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