Im Streit um das Rauchen gewinnt, wer die Jugend auf seine Seite zieht. Die Zigarettenindustrie hat dies längst erkannt und in ihren Werbestrategien sehr erfolgreich umgesetzt. Die Zahl junger Raucher steigt weiter, heute besonders unter den Mädchen. Studien belegen, dass besonders die Zigarettenwerbung diese Zunahme verschuldet. Auch deswegen dringen Anti-Raucher-Kampagnen auf das Verbot von Tabakwerbung. Europas Länder stehen bereit – bis auf Deutschland. Ein solches Verbot ließe sich nämlich EU-weit durchsetzen, wenn sich nicht ausgerechnet die Bundesregierung mit allen juristischen Finessen dagegen stemmte. Besonders das von der Tabakindus-trie übernommene Argument, Arbeitsplätze würden verloren gehen, wirkt in dem Zusammenhang makaber.

Von Einsicht in die gesundheitlichen Folgen des Rauchens zeugt die Haltung deutscher Politiker nicht gerade. Ein bisschen mehr Einsicht stünde unseren Volksvertretern gut an. Starkes Rauchen verkürzt die Lebenserwartung um 20 Jahre; in Europa stirbt jeder Sechste an den Folgen von Tabakkonsum. Doch in diesem Land gelingt es bisher nicht einmal, einen wirksamen Nichtraucherschutz zu gewährleisten – ganz zu schweigen vom Kinderschutz. "Passivrauchen ist keine Belästigung", sagt der Lungenkrebsforscher Peter Drings von der Thorax-Klinik Heidelberg, "sondern eine Gefährdung."

Die meisten Raucher gewöhnen sich ihr Laster in der Jugend an. Deswegen suchen die Verfechter des Nichtrauchens den Anfängen zu wehren: Sie wollen erreichen, dass junge Menschen erst gar nicht mit dem Zigarettenkonsum anfangen, zumal medizinisch erwiesen ist, dass Tabakrauchen in der Jugend eine besonders hohe Krebsgefahr birgt. Die Frage ist nur, welche Maßnahmen dabei den besten Erfolg versprechen. An die Vernunft zu appellieren, wirkt nach aller Erfahrung selten. In unserem Verhalten sind wir oft viel stärker von tiefer liegenden Motive