Um das vermeintliche Durcheinander am Himmel auf leicht verständliche Mechanismen zurückzuführen, haben Astronomen schon vor Jahrtausenden kleine Maschinen erfunden: diese veranschaulichen nicht nur den Lauf der Gestirne, sondern helfen auch, beliebige Objekte am Himmel zu beliebigen Zeiten zu finden. Das einfachste zweidimensionale Planetarium ist eine drehbare Sternkarte.
Im vorletzten Jahrhundert wurden unzählige dieser Orientierungshilfen entworfen. Selbst die erfahrensten Beobachter verlassen sich auf sie. Planisphäre ist griechisch für »flache Kugel«: Sie projiziert die Positionen von Sternen und der Milchstraße auf der »Himmelskugel« auf eine flache Karte. Auf dieser erscheinen die Sterne dann rund um einen der Himmelspole angeordnet. Amateure brauchen in Europa eine Sternkarte für die nördliche Halbkugel. Über dieser Karte ist eine drehbare Scheibe mit ovalem Ausschnitt angebracht, der Rand des Ausschnitts stellt den Horizont des Beobachters bei einer geographischen Breite dar – üblicherweise 50 Grad (Nord) für Mitteleuropa. Dreht man die Karte mit den Sternen unter der darüber liegenden Scheibe weg, erscheinen Sterne am Ost-Horizont, bewegen sich über den »Himmelsauschnitt« hinweg und gehen an einem Punkt des West-Horizonts schließlich wieder unter. So ahmt die Sternkarte realistisch die täglichen Bahnen der Objekte am Himmel nach.
Astrolabien wurden landläufig dafür verwendet, um mit Hilfe der Sonne und der Sterne die Zeit zu bestimmen. Die Erfindung genauer Uhren ermöglicht seitdem auch die umgekehrte Verwendung: Wer die Zeit kennt, kann mit diesem Instrument die Sterne finden. Genau für diesen Zweck werden die Planisphären heutzutage eingesetzt.
In der Praxis gibt es aber einige Schwierigkeiten, die einen Anfänger verwirren können. Zum Beispiel, dass die Sternbilder auf der Karte klein und verzerrt dargestellt sind. Die Sternbilder sind am Himmel in Wahrheit viel größer als sie auf der Karte erscheinen. Wenn Sie Ihre Augen auf der Karte nur ein kleines bisschen weiter wandern lassen, kann dies schon einer riesigen Strecke am Himmel entsprechen. Eine Blickänderung vom Rand zum Zentrum der Karte bedeutet, dass man am Himmel den Blick vom Horizont bis ganz nach oben zum Zenit wenden muss.
Der beste Weg, den Umgang mit einer Planisphäre zu lernen ist, sie am ausgestreckten Arm in die Himmelsrichtung zu halten, die am unteren Rand der Karte verzeichnet ist. Nun können Sie die Sterne über dem Horizont mit den Sternen am unteren Rand der Karte vergleichen. Sterne zum Innenrand der Karte hin finden Sie, wenn Sie Ihren Blick weiter nach oben richten.
Ein weiteres Problem ist die Verzerrung. Auf einer drehbaren Sternkarte, die für die nördliche Himmelshalbkugel entworfen wurde, erscheinen Sternbilder der südlichen Himmelshalbkugel gequetscht, sodass es schwerer fällt, sie mit den wirklichen Sternbildern zu vergleichen. Dieses Problem tritt nicht auf bei Karten, die nur für einen bestimmten Zeitpunkt erstellt sind, wie die in den Ausgaben von ASTRONOMIE HEUTE oder der interaktiven Sternkarte.
Noch ein paar Feinheiten
Drehbare Sternkarten werden speziell für einen bestimmten Breitengradbereich gezeichnet. Für Mitteleuropa oder Kanada ist das 50 Grad Nord. Für einen Urlaub in Südeuropa, den Vereinigten Staaten oder gar der Karibik sind Karten für diese Breite dann nur noch bedingt geeignet. Glücklicherweise gibt es einige Sternkarten, so zum Beispiel auch die von Chandler, die in verschiedenen Ausgaben für unterschiedliche Breitengrade publiziert werden.
| Zeitkorrektur gg. MEZ | Städte |
|---|---|
| -5 Min. | Brünn, Wien |
| 0 Min. | Frankfurt/O., Görlitz (15,0° Ost), Graz, Prag |
| 5 Min. | Berlin, Dresden, Klagenfurt, Linz/D. |
| 10 Min. | Chemnitz, Halle, Leipzig, Potsdam, Regensburg, Rostock, Salzburg, Stralsund |
| 15 Min. | Augsburg, Bozen, Coburg, Erfurt, Innsbruck, Lübeck, Magdeburg, München, Nürnberg, Schwerin |
| 20 Min. | Braunschweig, Bregenz, Eisenach, Hamburg, Hannover, Kassel, Kiel, Liechtenstein, Ulm, Würzburg |
| 25 Min. | Baden-Baden, Bielefeld, Bremen, Darmstadt, Frankfurt/M., Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe, Konstanz, Ludwigshafen/Rh., Mailand, Mainz, Mannheim, Reutlingen, Stuttgart, Tübingen, Wiesbaden, Worms, Zürich |
| 30 Min. | Basel, Bern, Bochum, Bonn, Dortmund, Emden, Essen, Freiburg/Br., Kaiserslautern, Koblenz, Köln, Münster, Osnabrück, Saarbrücken, Straßburg, Wilhelmshaven, Wuppertal |
| 35 Min. | Aachen, Düsseldorf, Duisburg, Genf, Krefeld, Luxemburg, Mönchengladbach, Trier |
| 40 Min. | Amsterdam, Antwerpen, Lüttich, Rotterdam |
| 45 Min. | Brüssel |
Alan MacRobert ist Redakteur bei Sky & Telescope und begeisterter Amateur-Astronom.












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