Bei der Belagerung Neapels trat 1493 unter den Soldaten Karls VIII. von Frankreich erstmals in Europa eine Geschlechtskrankheit epidemisch auf, von der man später annahm, Matrosen des Christoph Kolumbus hätten sie im Jahr zuvor aus der neuen Welt eingeschleppt. Sie breitete sich so verheerend aus, daß die mittelalterliche Badstuben- und Bordellkultur rasch unterging; der italienische Humanist und Arzt Girolamo Fracastoro (1478 oder 1483 bis 1553) bezeichnete die alsbald allgemein morbus gallicus (Franzosenkrankheit) genannte Seuche in einem im Jahre 1530 gedruckten Lehrgedicht als Syphilis.

Ein wirksames Mittel fand sich erst aufgrund des Ansatzes der modernen Chemotherapie. Der deutsche Serologe Paul Ehrlich (1854 bis 1915; Nobelpreis 1908) entwickelte 1909 zusammen mit dem japanischen Bakteriologen Sahatshiro Hata (1873 bis 1938) das Salvarsan. Diese Arsenverbindung war allerdings hochtoxisch.

Als 1948 die Weltgesundheitsorganisation gegründet wurde, starben an der Syphilis in dem einen Jahr noch immer rund 20 Millionen Menschen. Denn die Ära der Antibiotika begann damals recht zögerlich, und um einiges verzögert: Bereits 1928 hatte der schottische Bakteriologe Alexander Fleming (1881 bis 1955) einen bakteriziden Naturstoff entdeckt, der schließlich auch die Infektion mit Treponema palladium – dem Erreger der Syphilis – zu einem vermeintlich harmlosen Mißgeschick machte.

Zufall war mit im Spiel. Nach einem Urlaub fand Fleming unter seinen Bakterienkulturen von Staphylokokken – häufigen Erregern unter anderem von Eiterungen, Wund- und Darminfektionen – eine, die schwer gelitten hatte. Die Schäden beruhten, wie sich zeigte, auf dem grünen Schimmelpilz Penicillium notatum (Bild 1 links oben; der Name ist abgeleitet von lateinisch penicillus, Pinsel, und der deutsche lautet Pinselschimmel); offenbar waren Sporen davon mit in das Gefäß gelangt und ausgekeimt. Das Filtrat, das der Forscher von Kulturen der kontaminierenden Mikroorganismen bereitet