Was Mediziner bereits befürchtet hatten trat im letzten Jahr ein: Das Antibiotikum Vancomycin versagte gegen den Eitererreger Staphylococcus aureus. Gleich bei drei Patienten in weit auseinanderliegenden Orten reagierten die oft tödlichen Keime kaum noch auf das bisher gegen sie verläßliche Medikament. Zwar ließen sie sich bei den betroffenen Kranken dann mit anderen Wirkstoffen bezwingen, doch die Vorfälle bleiben alarmierend.

Weltweit, auch in Deutschland, sind nämlich schon viele S.-aureus-Stämme gegen alle übrigen bekannten Antibiotika resistent (Bild 1 links). Nun ist damit zu rechnen, daß in naher Zukunft Varianten auftauchen, für deren Bekämpfung keines der verfügbaren Pharmaka mehr taugt. Dann würde dieses verbreitete, beispielsweise auf der menschlichen Haut vorkommende, für geschwächte Personen aber gefährliche Bakterium unbeherrschbar. Schon jetzt verursacht es einen Großteil der berüchtigten Krankenhausinfektionen; eitrige Entzündungen vom Furunkel bis zu Komplikationen bei Operationswunden und Blutvergiftungen sowie Darm- und Atemwegserkrankungen können die Folge sein.

Die aufrüttelnde Meldung bezeichnet nur den jüngsten Schub einer Entwicklung, die das internationale Gesundheitswesen seit längerem besorgt verfolgt: Resistenzen gegen gebräuchliche Antibiotika nehmen allgemein zu. Seit diese Substanzen allenthalben zur Verfügung stehen (als erste wurde Mitte der vierziger Jahre das Penicillin aus dem Schimmelpilz Penicillium notatum großtechnisch gewonnen), haben sie die Aura von medizinischen Wunderwaffen, weil sie gegen Bakterien wirken, ohne die Zellen eines Kranken stark anzugreifen. Doch bereits seit den Anfängen der zunächst immens erfolgreichen Therapie und im Laufe

der Zeit immer mehr kamen Keime auf, die gegen eines und zunehmend sogar gegen verschiedene dieser Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen, ihre chemischen Abwandlungen oder synthetischen Pendants gefeit sind; man vermag sie mithin nur mehr äußerst schwer unt