Bis heute hat sich daran wenig geändert. Doch wie kommt es, dass wir nach Jahrhunderten voller sportlicher Wettkämpfe überhaupt noch Rekorde feiern dürfen? Müssten wir nicht längst am Limit der menschlichen Leistungsfähigkeit angelangt sein?
Pioniere der Weltrekorde
Die wirklich wichtigen Rekorde werden allerdings in gängigen Gebieten errungen. Wie beispielweise bei der olympischen Paradedisziplin, dem 100-Meter-Lauf. Zurzeit Bester auf diesem Gebiet ist Usain Bolt, ein jamaikanischer Sprinter. Er ist dreifacher Olympiasieger und Weltrekordhalter im 100- und im 200-Meter-Lauf. Beide Weltrekorde erlangte er bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Seine Bestzeit auf 100 Meter liegt bei 9,69 Sekunden.
Der 100-Meter-Lauf: Eine hart umkämpfte Disziplin
Ab 1968 verkürzten sich die Zeiten dann stetig. Die längste Spanne, die von da an ein Sportler den Weltrekord im 100-Meter-Lauf hielt, beträgt fünf Jahre. Seit 2005 wurde der Rekord jedes Jahr gebrochen.
Ursachen und Faktoren
Sportmediziner Dr. Marius Pfaller sieht die Ursachen hierfür auch in physikalischen Faktoren. "Die Menschen werden immer größer." Armin Hary, Weltrekordler im 100-Meter-Lauf von 1960 hat beispielsweise eine Größe von 1,82 Meter und wog zu seiner aktiven Zeit 72 kg. Bolt dagegen erreicht mit einem Wettkampfgewicht von 86 kg eine Größe von 1,96 Meter. "Mehr Masse die nach vorne schwingt, bedeutet gleichzeitig auch mehr Tempo."
Aber auch neue Trainingsmethoden brachten die Sportler weiter. Das Grundprinzip des Laufens ist Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer. Seit etwa zwanzig Jahren nehme man aber auch die nächste Ebene der körperlichen Fähigkeiten mit ins Training auf, so Pfaller. Das heißt konkret, Sportler legen heutzutage vermehrten Wert auf Koordination und Gleichgewicht.
Innovative Trainingsmethoden…
So versuchen Trainer mit innovativen Methoden ihre Sportler nach vorne zu bringen. Wie beispielsweise mit dem "Schlingentraining". Die Sportler hängen bei dieser Übung in Seilen und sollen durch die kontrollierbare Instabilität des Schlingensystems die gelenknahe "kleine" Muskeln, trainieren. Das schafft mehr Stabilität, unter anderem in Rumpf, Schulter, Knie. Durch das trainieren der kleinen und großen Muskelgruppen wird eine optimale Steuerung und Kontrolle der Bewegungen erlangt. Das nennt man die sensomotorische Tiefenstabilisierung.
Eine andere Methode ist das "intuitive Training". Aus der Trainingslehre ist bekannt, dass Leistungsfortschritte am schnellsten erzielt werden, wenn das Verhältnis von Belastung und Erholung optimal ausgewogen ist. Wie viel Erholung jemand nach einer Trainingseinheit braucht, lässt sich aber nicht exakt vorhersagen. Daher sollen die Sportler mit dem "intuitiven Training" lernen, auf die Signale ihres Körpers zu hören und so zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Trainingsreize zu setzten.
Auch ein "Reaktionszeit-Training" soll für Läufer effektiv sein. Denn wer möglichst schnell auf Startsignale reagieren kann, ist in dieser Sportart im Vorteil. Doch diese Fähigkeit zu trainieren, ist sehr komplex. Eine Reaktion erfolgt nur durch ein automatisch ablaufendes Bewegungsmuster. Dieses kann lediglich über einen aufwendigen Lernprozess verbessert werden.
…und unerlaubte Mittel
Aber auch das Thema Doping darf man nicht außen vor lassen. Neben Blutdoping und EPO (Erythropoetin, ein körpereigenes Hormon), kommt immer mehr das Thema "Gendoping" auf. "Wenn das erfolgreich ist, wird es auch angewandt werden. Solange Geld fließt, wird alles gemacht, was möglich ist", so Pfaller. Vor etwa zwanzig Jahren haben Sportler angefangen zu Nahrungsergänzungsstoffen zu greifen. Anfangs nur zu einfachen Vitaminen. Doch je höher die sportlichen Wettkämpfe dotiert wurden, desto mehr Geld wurde auch in die Forschung von leistungssteigernden Mitteln gesteckt. Diese Entwicklung wird wohl auch nicht so schnell nachlassen. Denn Doping-Forscher sind Doping-Kontrolleuren immer einen Schritt voraus, so Pfaller. "Man müsste die Gewinne nach unten schrauben, dann würde auch das Doping nachlassen", mutmaßt der Mediziner.
Wo letztendlich die Grenzen liegen ist ungewiss. Klar ist nur, dass wir noch nicht am Maximum der menschlichen Leistung angelangt sind. Immer neue Erkenntnisse über Körper, Ernährung und Trainingsmethoden werden uns sicher noch einige neue Rekorde bescheren.
Christina Weber
Dieser Beitrag ist Teil eines Projektes der Studierenden des 4. Semesters Online-Journalismus der Hochschule Darmstadt zum Thema "Laufen":
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