Die "Venus von Hohle Fels" wurde vor mindestens 36 000 Jahren aus Mammutelfenbein geschnitzt.
Kunst und Kleber
Und weil zur Kultur auch Musik gehört, wundert es nicht, dass die ältesten Musikinstrumente der Welt ebenfalls von der Schwäbischen Alb stammen. Die Tübinger Archäologen hatten schon manche steinzeitliche Flöte geborgen. Nur einen Monat nachdem die schwäbische Venus ins Rampenlicht trat, gesellte sich eine etwa gleich alte und besonders gut erhaltene Flöte aus Gänsegeier-Knochen hinzu.
Technische Lösungen verhalfen der Menschheit wohl immer schon zum Überleben. So wendeten auch Höhlenbewohner des südlichen Afrika bereits vor 70 000 Jahren naturwissenschaftliche Tricks an. Wie ein Experiment südafrikanischer Forscher ergab, lässt sich aus Ocker und Akaziengummi – auf Steinplatten zerrieben und im Lagerfeuer erhitzt – ein Klebstoff hoher Belastbarkeit produzieren, mit dem sich beispielsweise Steinklingen an Holzschäften befestigen lassen. Und die gelblich rote Farbe des Ockers könnte auch dem damaligen Ästheten gefallen haben.
Die neue alte Lucy
Wesentlich weiter zurück – und zwar zu den Ursprüngen der Menschheit – gingen die Funde aus Äthiopien, denen sich die Zeitschrift "Science" im Oktober dieses Jahres gleich mit elf Artikeln widmete. 1992 tauchte hier ein viereinhalb Millionen Jahre alter Zahn auf, der 1994 zusammen mit weiteren Fossilfunden als neue Hominidenspezies Ardipithecus ramidus beschrieben wurde. 1997 konnte schließlich ein zu großen Teilen erhaltenes weibliches Skelett geborgen werden; nach Abschluss der Grabungen 2008 standen den Paläoanthropologen Knochen und Zähne von insgesamt 35 Individuen zur Verfügung.
Wie dem auch sei, seit "Lucy" – die auch auf den Namen Australopithecus afarensis hört und "nur" dreieinhalb Millionen Jahre auf dem Buckel hat – wissen Forscher, dass sich ein Fossil nur dann gut vermarkten lässt, wenn es einen auch noch so albernen Spitznamen trägt. Und so gelangte das weibliche A.-ramidus-Fossil unter dem Namen "Ardi" an die Öffentlichkeit – ähnlich wie auch das Äffchenfossil Darwinius masillae aus der Grube Messel mit dem Pseudonym "Ida" als angeblicher Vorfahre des Menschen einen beachtlichen Medienrummel genoss.
So weit die Füße tragen
Dass Homo erectus zu unseren Ahnen zählt und ein ausgemachter Zweibeiner war, ist unumstritten. Die in Kenia gefundenen, 1,5 Millionen Jahre alten Fußabdrücke überraschen dann aber doch. Hier hinterließ ein 1,75 Meter großes Wesen seine Spuren und federte jeden Schritt mit einem Fußbett ab, das den Vergleich mit unserer Extremitätenanatomie nicht zu scheuen braucht.
Seine Füße trugen ihn weit. Bis ins ferne China fanden sich Überreste von Homo erectus, die in den 1920er Jahren als "Pekingmensch" beschrieben wurden. Dieses Jahr gelang die Neudatierung der Fundstelle in der Drachenknochenhöhle bei Peking. Demnach hausten hier schon vor knapp 800 000 Jahren menschliche Wesen – 200 000 Jahre früher als bislang vermutet.
Nach Homo heidelbergensis streifte bekanntlich der Neandertaler durch die europäischen Lande. Doch wie viele waren es eigentlich? Überraschend wenig, schlussfolgern Wissenschaftler um den Leipziger Paläogenetiker Svante Pääbo. Aus der geringen Variationsbreite der mitochondrialen DNA verschiedener Neandertalerfossilien errechneten sie eine europäische Gesamtbevölkerung von etwa 70 000 Individuen.
Ein weiterer rätselhafter Todesfall konnte dieses Jahr aufgeklärt werden. 1825 hatte der italienisch-englische Arzt Augustus Bozzi Granville (1783-1872) eine ägyptische Mumie autopsiert und war zu dem Schluss gekommen, dass die Frau, die um 600 v. Chr. gelebt hatte, einem Eierstocktumor zum Opfer gefallen ist. Doch mit seiner Diagnose lag er vermutlich daneben, denn eine erneute Untersuchung ergab eine andere Todesursache: Tuberkulose.
Tod in Germanien
Ein massenhafter Tod wurde dieses Jahr besonders gewürdigt. "Varus, gib mir meine Legionen zurück!", soll Kaiser Augustus vor genau 2000 Jahren entsetzt aufgeschrien haben, als er von der vernichtenden Niederlage seines Statthalters Publius Quinctilius Varus gegen einen Cherusker-Fürsten namens Arminius erfuhr. Als mutmaßliches Schlachtfeld gilt heute nicht mehr der Teutoburger Wald, sondern die Niederung um Kalkriese bei Osnabrück.
Nur die besten Künstler im Reich kommen laut den Entdeckern des Statuenfragments als Urheber in Frage. Die Statue sollte auf dem Forum der römischen Stadt bei Waldgirmes den Machtanspruch des Kaisers demonstrieren.
Darwins Doppel
Das Jahr 2009 konnte mit weiteren historischen Jahrestagen aufwarten. So wurde vor 400 Jahren in Marburg Johannes Hartmann (1568-1631) auf die weltweit erste Professur für "Chymiatrie" berufen, der damit den Grundstein einer modernen Pharmazie legte. Vor 200 Jahren, am 13. Juni 1809, kam der Frankfurter Psychiater Heinrich Hoffmann zur Welt – besser bekannt als Autor des "Struwwelpeters".
2009 stand auch im Zeichen eines besonderen Doppeljubiläums: Vor 200 Jahren, am 12. Februar 1809, erblickte Charles Darwin das Licht der Welt, dessen Evolutionstheorie – erstmalig publiziert am 24. November 1859, also vor 150 Jahren – die Wissenschaft erschüttern sollte. Im gleichen Jahr, am 6. Mai 1859, starb einer seiner Vorläufer: der deutsche Universalgelehrte Alexander von Humboldt. Und der deutsche Zoologe Ernst Haeckel, der vor 175 Jahren, am 16. Februar 1834, auf die Welt kam, etablierte sich zu einem der eifrigsten Verfechter von Darwins Gedankengebäude und sorgte so dafür, dass auch in Deutschland die Evolutionstheorie ihre gebührende Anerkennung fand.











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