Doppelter Satz
Boroson und Lauer stießen aber nur im Fall von Objekt SDSS J153636.22+044127.0 auf viel versprechende Besonderheiten: einen doppelten Satz an Emissionslinien, den die beiden Wissenschaftler durch die Existenz zweier eng gebundener Schwarzen Löcher erklären. Um auszuschließen, dass sich in ihren Beobachtungen lediglich zwei große Galaxien überlagern, bestimmten sie die Rotverschiebung der beiden Quellen – mit Hilfe derer sich die Entfernung abschätzen lässt. Tatsächlich bestätigten sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,7 Prozent, dass es sich nur um ein einziges System handelt.
Die untersuchte Galaxie ging laut den Wissenschaftlern aus der Fusion zweier kleinerer Sternsysteme hervor, die jeweils ein Schwarzes Loch enthielten. Anhand der Bahngeschwindigkeiten berechneten Boroson und Lauer, dass eines der beiden eine Masse von rund 20 Millionen Sonnen besitzt, während das andere etwa 50-mal massereicher ist. Beide umrunden sich in einem Abstand von einem drittel Lichtjahr und brauchen für einen kompletten Umlauf rund 100 Jahre, schätzen die Forscher.
Hierarchisches Wachstum
Ihr Fund unterstützt die These, dass das Wachstum von Strukturen im Universum hierarchisch verläuft. Bereits vorher gab es Kandidaten für ein Doppelsystem aus zwei Schwarzen Löchern. Allerdings waren deren Abstände meist viel größer als im Fall von SDSS J153636.22+044127.0. Zudem ließen die Daten oftmals auch andere Interpretationsmöglichkeiten zu – mit weitaus größeren Wahrscheinlichkeiten als bei Boroson und Lauer.
Viele Galaxien sammeln sich in größeren Gruppen von bis zu einigen tausend Exemplaren, in denen beizeiten einzelne Systeme miteinander kollidieren und verschmelzen können. Besitzen die Kollisionspartner ein supermassereiches Schwarzes Loch in ihrem Zentrum, sollten diese auf Grund der enormen Anziehungskraft umeinander kreisen und sich schließlich womöglich zu einem noch größeren Massemonster vereinen, vermuten Wissenschaftler. Somit könnten theoretisch Galaxien mit zwei oder sogar mehreren Schwarzen Löchern in ihrem Inneren existieren. (mp)





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