Das Team um Ezequiel Treister analysierte aktive Galaxien im nahen Universum (oben) und im Kosmos vor 6,5 Milliarden Jahren (unten), als dieser halb so alt war wie heute. In allen Fällen zeigten sich Spuren von Galaxienverschmelzungen. Liegen diese weniger als etwa 100 Millionen Jahre zurück, wird die Quasar-Strahlung durch Staub und Gas abgeschirmt.
Dieser Frage ist ein Team um Ezequiel Treister von der University of Hawaii in Manoa nachgegangen. Die Forscher bedienten sich dabei der Durchmusterungen der NASA-Weltraumteleskope Chandra und Spitzer und neuer Aufnahmen des Hubble Space Telescope mit der Wide Field Camera 3 (WFC3), die im Rahmen der letzten Service-Mission im Mai 2009 installiert worden war: Erst sie lieferte ausreichend detaillierte Bilder.
"Jeder neue Quasar beginnt seine Aktivität nach einem Merger zweier massereicher Galaxien."
(Ezequiel Treister)
Der in Zürich geborene Kevin Schawinski von der Yale University hat sie nun analysiert: "Unsere Idee war, dass Galaxienkollisionen all dieses Material aufwirbeln, die Produktion von neuen Sternen anregen und dabei gleichzeitig die Schwarzen Löcher füttern und sie deshalb zu Quasaren werden, die aber zunächst hinter all dem Gas und Staub verborgen sind." Treister erläutert: "Die Beobachtungen haben einen unerwarteten Anstieg der Zahl an verschleierten Quasaren ergeben, je weiter wir in die Vergangenheit blicken."
(Ezequiel Treister)
Durch dieses Verhältnis von sichtbaren zu optisch unsichtbaren Quasaren wird zwar das hohe Staubaufkommen im frühen Kosmos belegt – hängt dies aber auch mit vorausgegangenen Verschmelzungen von Welteninseln zusammen? Schawinski stellt fest: "Die Hubble-Bilder zeigen auf spektakuläre Weise, dass diese Quasare tatsächlich in enormen Galaxienkollisionen stecken." Die Statistik legt sogar noch einen strengeren Schluss nahe: "Dies deckt sich mit dem Szenario, in dem jeder neue Quasar seine Aktivität nach einem Merger zweier massereicher Galaxien beginnt", so Treister. Der in Argentinien geborene Chilene weiter: "Der Quasar ist dann zunächst rund 100 Millionen Jahre lang in Staub und Gas eingebettet, bis er es geschafft hat, mit seinen Strahlen durch die Wolken zu brechen. Er scheint dann als sichtbarer Quasar über noch einmal etwa den gleichen Zeitraum."
Die Verschmelzung zweier großer Galaxien (links) löst das Einsetzen des Quasar-Mechanismus aus, der jedoch zunächst noch hinter den Mengen an Staub und Gas verborgen bleibt (Mitte). Erst nach etwa 100 Jahren bahnen sich die Strahlen ungehindert ihren Weg ins All (rechts).
"Höchstwahrscheinlich wird sich nach dem Merger von Milchstraße und der Andromeda-Galaxie ein Quasar einschalten."
(Ezequiel Treister)
Man beachte das Wörtchen "noch". Denn der große Andromedanebel M31 und die Milchstraße – die beiden größten Galaxien der Lokalen Gruppe – treiben aufeinander zu und werden in rund drei Milliarden Jahren kollidieren, ein intergalaktischer Zusammenprall, bei dem die Sonne Passagier ist. Ein Ausweichen ist nicht möglich. Bei der Verschmelzung der Welteninseln nähern sich zunächst die zentralen Schwarzen Löcher in einer immer enger werdenden Spirale und vereinigen sich recht schnell. Anschließend strömen Staub und Gas zu dem neu entstandenen gravitativen Zentrum hin. Treister schließt: "Es hängt alles nur von der Menge an verfügbarem Staub ab, aber höchstwahrscheinlich wird sich nach dem Merger von Milchstraße und der Andromeda-Galaxie ein Quasar einschalten." Bleibt der Sonne und uns – falls es uns noch gibt – nur zu wünschen, dass wir von dem neuen Leuchtfeuer nicht geröstet werden.
(Ezequiel Treister)


Freier Wissenschaftsjournalist in Mannheim




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